Faiyūm

Gouvernement in Ägypten

Das Gouvernement und die weitgehend deckungsgleiche Senke el-Faiyum, auch Fayoum, Fajjum, Fayyum, arabisch: ‏محافظة الفيوم‎, Muḥāfaẓat al-Faiyūm, liegen am Ostrand der Westlichen Wüste, etwa 90 Kilometer südwestlich von Kairo. Es grenzt im Westen und im Norden an das Gouvernement Gīza und im Osten und Süden an das Gouvernement Beni Suef. Das Verwaltungszentrum ist Madīnat el-Faiyūm.

Gouvernement el-Faiyūm
محافظة الفيوم
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Wenn man das Faiyūm als unbeachtetes Juwel bezeichnet, so hat dies durchaus seine Berechtigung. Viele Reisende interessieren sich für die antiken Stätten. Gerade im Faiyūm sollte man die Landschaft nicht außer Acht lassen. Da sind zum einen die große fruchtbare Oase selbst mit dem Josphskanal und dem Qārūn-See, zum anderen die Wüstengebiete in unmittelbarer Nähe. Das Faiyūm bietet zudem Möglichkeiten zur Vogelbeobachtung im Wādī er-Raiyān und am Qārūn-See.

OrteBearbeiten

 
Lageplan des Gouvernements el-Faiyūm
  • 1 Madīnat el-Faiyūm     , ‏مدينة الفيوم‎ – Verwaltungszentrum, häufig kurz el-Faiyūm oder el-Madīna genannt. Im Nordwesten der Stadt befindet sich der Stadtteil Kīmān Fāris, in dem die Überreste der antiken Stadt Arsinoë/Krokodilopolis freigelegt wurden.

Weitere ZieleBearbeiten

Seen und WasserbautenBearbeiten

  •   1 Qārūn-See     , ‏‏بركة قارون‎ – See im Norden der Senke el-Faiyūm.
  • 2 el-Malāʾ   , ‏الملاء‎‎ – 15 Kilometer lange Niederung im Süden des el-Faiyūm. Man vermutet in diesem Gebiet den legendären Moëris-See.
  • 3 Baḥr Yūsuf     , ‏بحر يوسف‎‎ – Josefskanal, der den Qārūn-See speist.

Nördlich des Qārūn-SeesBearbeiten

  • 4 Dīmai       , ‏ديمية السباع‎‎ – Archäologische Stätte des antiken Soknopaiou Nēsos.
  • 5 Qaṣr eṣ-Ṣāgha     , ‏قصر الصاغة‎‎ – Archäologische Stätte mit einem Tempel aus dem altägyptischen Mittleren Reich.
  • 6 Deir Abū Līfa, ‏دير أبو ليفة‎ – Einstiges Kloster.
  • 7 Widān el-Faras, ‏ودان الفرس‎, „Pferdeohren“ – Basaltsteinbruch in der Nähe des 8 Gebel Qaṭrānī, ‏جبل قطراني‎.

Südlich des Qārūn-SeesBearbeiten

  • 9 Abgīg     , Begig, ‏‏أبجيج‎ – Dorf. Der in der Nähe des Dorfs gefundenen Pseudo-Obelisk Sesostris’ I. wurde in Madīnat el-Faiyūm aufgestellt.
  • 10 ʿAin es-Sīlīyīn, ‏عين السيليين‎ – Freizeitpark.
  • 11 Biyahmū     , ‏بيهمو‎‎ – Archäologische Stätte mit den Überresten eines Statuenheiligtums Amenemhets III.
  • 12 Charābat Ihrīt, ‏خرابة إهريت‎, Batn Ihrīt, ‏بطن إهريت‎ – Archäologische Stätte des antiken Theadelphia. Die hier vorgefundene Tempelanlage wurde im Griechisch-römischen Museum in Alexandria wiedererrichtet.
  • 13 Deir el-ʿAzab     , ‏دير العزب‎‎ – Kloster des hl. Abraham.
  •   14 Deir el-Malāk Ghabriyāl     , ‏دير الملاك غبريال‎‎ – Kloster des Erzengels Gabriel.
  • 15 Hawāra     , ‏هوارة‎‎ – Dorf und archäologische Stätte mit der Pyramide Amenemhets III. und den spärlichen Überresten des Labyrinths.
  • 16 Kīmān Fāris  , ‏كيمان فارس‎ – Archäologische Stätte der antiken Stadt Arsinoë, Krokodilopolis im Stadtteil Kīmān Fāris in Madīnat el-Faiyūm. Ein Teil der Funde ist in Kōm Auschīm ausgestellt.
  •   17 Kōm Auschīm     , ‏كوم أوشيم‎‎ – Archäologische Stätte des antiken Karanis.
  • 18 Kōm Darb Girza     , ‏كوم درب جرزة‎, Kom el-Charaba el-Kabir, Kom el-Hammam – Archäologische Stätte der antiken Stadt Philadelphia.
  •   19 el-Lāhūn     , ‏‏اللاهون‎‎ – Dorf am Baḥr Yūsuf mit dem Stauwehr des Sultans Baibars I. In der Nähe befindet sich die archäologische Stätte mit der Pyramide Sesostris’ II. und der antiken Stadt Kahun.
  •   20 Madīnat Māḍī     , ‏مدينة ماضي‎ – Archäologische Stätte der antiken Stadt Narmouthis.
  • 21 Madīnat el-Qūṭa   , ‏مدينة القوتة‎‎ – Archäologische Stätte einer antiken Siedlung, deren Namen nicht überliefert ist.
  • 22 en-Nazla     , ‏النزلة‎‎ – Dorf mit Keramikherstellung.
  • 23 Qaṣr el-Banāt   , ‏قصر البنات‎‎ – Archäologische Stätte des antiken Euhemeria.
  •   24 Qaṣr Qārūn     , ‏قصر قارون‎‎ – Archäologische Stätte des antiken Dionysias.
  • 25 Pyramide von Seilā     , ‏هرم سيلا‎ – Archäologische Stätte mit der Stufenpyramide auf dem Gebel er-Rūs
  •   26 Tūnis     , ‏‏تونس‎ – Künstlerdorf am Südrand des Qārūn-Sees mit dem ersten Karikaturenmuseum im Nahen Osten.
  • 27 Umm el-Athl     , ‏ﺃﻡ ﺍﻷﺜل‎‎, Kōm el-ʿAsl, Umm el-Qaṭl – Archäologische Stätte des antiken Bakchias.
  • 28 Umm el-Bureigāt     , ‏أم البريجات‎‎, Qasr el-Bās – Archäologische Stätte des antiken Tebtynis.

Westlich der Senke el-FaiyūmBearbeiten

  • 29 Wādī er-Raiyān     , ‏وادي الريان‎‎ – Naturschutzgebiet im Bereich zweier Seen mit einem kleinen Wasserfall.
  • 30 Deir Wādī er-Raiyān     , ‏دير وادي الريان‎‎ – Kloster des hl. Makarios von Alexandria.
  •   31 Tal der Wale     , ‏وادي الحيتان‎‎ – Fossilienfundstätte, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

HintergrundBearbeiten

Die Senke el-Faiyūm befindet sich 20 bis 40 Meter unter null. Sie ist heute Teil des gleichnamigen Gouvernements.

Das einstige Sumpfgebiet wurde unter Amenemhet II. und Sesostris II. (Mittleres Reich, 12. Dynastie) trockengelegt, um das Gebiet für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Am Nordrand des Faiyūm befindet sich der größte Binnensee Ägyptens, der abflusslose Qārūn-See, der seit der 12. Dynastie vom Baḥr Yūsuf (Josefs-Kanal) gespeist wird. Er war eins von zwei Wasserrückhaltebecken des Faiyūm.

Im el-Faiyūm gibt es heute vier Städte, etwa 160 Dörfer und zahlreiche Weiler, in denen ca. 3 Millionen Einwohner leben.

AnreiseBearbeiten

Die Anreise kann mit Bus oder Bahn erfolgen.

MobilitätBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

AktivitätenBearbeiten

SicherheitBearbeiten

KlimaBearbeiten

Das Klima ist ganzjährig warm bis heiß und trocken. Regenfälle stellen eine absolute Ausnahme dar, die Regendauer überschreitet wenige Minuten nie.

Werte Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez    
Mittlere höchste Lufttemperatur in °C 22 24 25 28 35 36 38 38 35 30 27 22 Ø 30
Mittlere tiefste Lufttemperatur in °C 5 7 8 11 16 19 22 22 20 16 11 9 Ø 13.8

Gefürchtet sind die Sandstürme, die Chamsīn (arabisch: ‏خماسين‎, Chamāsīn, oder ‏خمسين‎, Chamsīn) genannt werden. Dies sind heiße Süd- und Südostwinde, die den Wüstensand aufwirbeln und mit sich fortreißen. Die Entstehungsursache sind Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum. Die Stürme können ganzjährig auftreten, ihre Hauptsaison sind die Monate März bis Mai (ein Zeitraum von 50 Tagen nach Frühlingsanfang – auf den Zeitraum bezieht sich auch das arabische Wort), auch im Herbst treten sie gehäuft auf. Die Stürme dauern mehrere Tage an und sind in weiten Teilen Ägyptens anzutreffen. Weit gefährlicher, aber örtlich begrenzter, sind die Sandwirbelwinde, Soba'a genannt. Hier muss man in jedem Fall Augen und elektronische Geräte schützen. Die Stürme tragen nicht selten dazu bei, dass Flugpläne nicht mehr eingehalten werden. Im Jahr 2006 trat der erste Sandsturm bereits Ende Februar auf (Einheimische sagten, dass sie das seit 20 Jahren nicht erlebt hätten), irgendwo im Staub waren sogar die Pyramiden kaum zu erkennen.

FeiertagBearbeiten

Am 16. März wird der Gouvernements-Nationalfeiertag begangen.

AusflügeBearbeiten

LiteraturBearbeiten

 
Kartenblatt NH-36-09 (Al Fayyūm) der U.S. Army
  • Populärwissenschaftliche Darstellungen:
    • Vivian, Cassandra: The Western Desert of Egypt : an explorer’s handbook. Cairo: The American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-977-416-090-5, S. 209–257 (in Englisch).
    • Lane, Mary Ellen: A Guide to the Antiquities of the Fayyum. Cairo: American University in Cairo Press, 1985, ISBN 978-9774240423 (in Englisch).
    • Hewison, R. Neil: The Fayoum : history and guide. Cairo: American University in Cairo Press, 2008, ISBN 978-9774162060.
  • Wissenschaftliche Darstellungen
    • Salmon, Georges: Répertoire géographique de la province du Fayyoûm d’après le Kitâb Târîkh al-Fayyoûm d’An-Nâboulsî. In: Bulletin de l’Institut français d’archéologie orientale (BIFAO), ISSN 0255-0962, Bd. 1 (1901), S. 29–77, eine Tafel.
    • Beadnell, H[ugh] J[ohn] L[lewellyn]: The topography and geology of the Fayum Province of Egypt. Cairo: National Print. Department, 1905.
    • Caton-Thompson, G[ertrude] ; Gardner, E[linor] W[ight]: The Desert Fayum. London: Royal Anthropological Inst., 1934. Getrennter Text- und Tafelband.
    • Davoli, Paola: L’archeologia urbana nel Fayyum di età ellenistica e romana. Napoli: Generoso Procaccini, 1998, (Missione congiunta delle Università di Bologna e di Lecce in Egitto : monografie ; 1).
    • Arlt, Carolin ; Stadler, Martin Andreas (Hrsg.): Das Fayyûm in Hellenismus und Kaiserzeit : Fallstudien zu multikulturellem Leben in der Antike. Wiesbaden: Harrassowitz, 2013, ISBN 978-3-447-06925-0.
  • Karten:
    • Russische Generalstabskarten, Maßstab 1:200.000, Karten H-36-XIX (Синнурис [Sinnuris]), H-36-XXV (Эль-Файюм [El'-Fajjum]) und H-36-XXVI (Бени Суэйф [Beni Suejf]).
    • U.S. Army Map, Maßstab 1:250.000, Karte NH-36-09 (Al Fayyūm), 1953.
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