Baḥr Yūsuf

Kanal in Ägypten
Welt > Afrika > Nordafrika > Ägypten > Mittelägypten > Baḥr Yūsuf

Der Bahr Yusuf, auch Bahr Yussuf/Yussef/Youssouf, arabisch: ‏بحر يوسف‎, Baḥr Yūsuf, „Josefskanal“, ist ein natürlicher Seitenarm des Nils, der auf dessen Westseite verläuft und den abflusslosen Qārūn-See im el-Faiyūm speist. Der Baḥr Yūsuf ist der Grund dafür, dass die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf dem Nilwestufer deutlich breiter als auf dem Ostufer ist und eine Breite von bis zu 15 Kilometern erreicht.

Baḥr Yūsuf im Faiyūm bei Hawāra
Baḥr Yūsuf ·بحر يوسف
Länge330 km
Lage
Lagekarte von Ägypten
Baḥr Yūsuf
Baḥr Yūsuf

HintergrundBearbeiten

 
Lageplan des Baḥr Yūsuf

Der Kanal ist seit dem Mittelalter nach Josef, dem Sohn Jakobs, benannt. Josef wird sowohl in der Bibel, Gen 37,1 ff. EU, als auch in der 12. Sure des Koran behandelt.

Neben dem Nil war der Baḥr Yūsuf bedeutsam für die Bewässerung der Felder, die sich so auf der Westseite des Nils bis auf etwa 15 Kilometer Breite ausdehnen, und die jährliche Nilüberschwemmung zu deren Düngung. Davon hing und hängt auch die Versorgung und der Wohlstand der Bevölkerung ab. Insbesondere eine gute Wasserverwaltung gerade in Notzeiten wird immer wieder von den Gaufürsten in altägyptischer Zeit thematisiert.

Ursprünglich zweigte der Kanal bei Manqabād nördlich von Asyūṭ vom Nil ab. Seit 1870 beginnt der Kanal am Stauwehr in Deirūṭ, an dem der Ibrāhīmīya-Kanal, der in Asyūṭ beginnt, in mehrere Bewässerungskanäle aufgeteilt wird. Der Baḥr Yūsuf verläuft westlich des Ibrāhīmīya-Kanal. Bei el-Lāhūn teilt sich der Kanal erneut auf. Der Gīza-Kanal verbleibt im Niltal, während der Baḥr Yūsuf das Faiyūm mit Wasser versorgt. Der Baḥr Yūsuf ist etwa 330 Kilometer lang.

Das größte Problem war zu allen Zeiten, dass der Baḥr Yūsuf zu viel Wasser führt. Bereits in pharaonischer Zeit, in der 12. Dynastie, ließ der König Amenemhet II. Meliorationsarbeiten durchführen, damit Teile des Faiyūm urbar gemacht werden konnten. In ptolemäischer Zeit wurden Rückhaltebecken bei el-Malāʾ, einer 15 Kilometer langen Niederung im Süden des el-Faiyūms, angelegt, womit der Wasserspiegel des Qārūn-Sees gesenkt und die landwirtschaftliche Nutzfläche erneut vergrößert werden konnte.

AnreiseBearbeiten

Eine Anreise ist meist nur mit einem PKW oder Taxi möglich, vor Ort auch zu Fuß. Teilweise führen auf beiden Seiten des Kanals Pisten entlang.

Orte am Baḥr YūsufBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • 7 Stauwehr von Deirūṭ (قناطر ديروط, Qanāṭir Dairūṭ).   . Das 1870 errichtete, etwa 170 Meter lange Wehr teilt den Ibrāhīmīya-Kanal, der in Asyūṭ beginnt, über sechs Einzelwehre u.a. in den Baḥr Yūsuf und den Ibrāhīmīya-Kanal auf. Es ist das technisch anspruchsvollste Wehr entlang des Ibrāhīmīya-Kanal. (27° 33′ 32″ N 30° 48′ 41″ O)
  • 8 Stauwehr von el-Lāhūn (Illahun-Stauwehr).   . Das Stauwehr wurde zur Zeit des Sultans Baibars I. (um 1223–1277) errichtet und ist nach dem Nilometer auf der Kairoer Nilinsel er-Rōḍa das zweitälteste erhaltene öffentliche Bauwerk aus islamischer Zeit. Das Wehr verfügt über drei 2,80 m breite und etwa 5,30 m hohe Durchflussöffnungen. Zwischen den Öffnungen befinden sich auf der Nordseite zwei pyramidenförmige Strebepfeiler. 1241 AH, 1825 AD, zur Zeit Muḥammad ʿAlīs, wurde das Wehr nach Süden hin um neun Meter verbreitert.[1] Diese Schnittstelle lässt sich – theoretisch – in den Öffnungen ausmachen. Dem historischen Wehr ist ein modernes Wehr vorgelagert. (29° 12′ 24″ N 30° 58′ 17″ O)
  • 9 Qārūn-See (بركة قارون‎, Birkat Qārūn).     . Der See ist mit einer Länge von 40 Kilometern und einer Breite von 5 Kilometern der größte Binnensee Ägyptens und ein Naturschutzgebiet. (29° 28′ 20″ N 30° 36′ 51″ O)
 
Stauwehr in Deirūṭ
 
Stauwehr in el-Lāhūn
 
Boote am Qārūn-See

KücheBearbeiten

Restaurants findet man in den benachbarten Gouvernementshauptstädten, Imbissstände auch in den Ortschaften dazwischen.

UnterkunftBearbeiten

Unterkünfte gibt es in den benachbarten Gouvernementshauptstädten.

LiteraturBearbeiten

  • Stauwehr von el-Lāhūn:
    • Creswell, Keppel Archibald Cameron: The Muslim Architecture of Egypt; 2: Ayyūbids and Early Baḥrite Mamlūks; A.D. 1171–1326. Oxford: Oxford Univ. Press, 1959, S. 173 f., Tafel 54.a–c. Nachdruck New York: Hacker Art Books, 1978.

Einzelnachweise

  1. Weitere Quellen bei Creswell, K.A.C., The Muslim Architecture of Egypt; 2.
 Dies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.