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Normandie

französische Region
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Flagge
Wappen
Region Normandie
Hauptstadt Rouen
Einwohner
3.335.645 (2014)
Fläche
29.906 km²
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Lage
Nord-Pas-de-CalaisPicardieChampagne-ArdenneLothringenElsassHaute-NormandieBasse-NormandieBretagneCentre-Val de LoireÎle-de-FranceBurgundFranche-ComtéPays de la LoirePoitou-CharentesLimousinAquitanienMidi-PyrénéesLanguedoc-RoussillonAuvergneRhône-AlpesProvence-Alpes-Côte d’AzurKorsikaAndorraMonacoLiechtensteinÖsterreichLuxemburgBelgienNiederlandeVereinigtes KönigreichDeutschlandSchweizItalienGuernseyJerseySpanienNormandy in France 2016-verkl.svg

Die Normandie ist eine Region im Nordwesten Frankreichs.

Inhaltsverzeichnis

RegionenBearbeiten

 
Départements der Normandie (die Gemeinden im Südosten von Orne gehörten historisch nicht zur Provinz Normandie, sondern zum Perche)
  • "Normannische Schweiz"
Départements

OrteBearbeiten

 
Männerabtei Saint-Étienne/Rathaus von Caen
 
Rouen
Größere Städte
Weitere Orte
  • Alençon − Überregionales Zentrum der Spitzenklöppelei mit mittelalterlichem Viertel.
  • les Andelys im Zentrum des Vexin normand − mittelalterliche Festung Château Gaillard, Notre-Dame.
  • Bayeux − berühmt für den hochmittelalterlichen Bildteppich.
  • Bernay
  • Deauville – elegantes Seebad mit Yachthafen, Pferderennbahn, Casino, Strandpromenade, prächtigen Villen und Hotels
  • Dieppe
  • Fécamp – an der Alabasterküste (Kreidefelsen)
  • Granville – Hafenstadt und Seebad am Atlantik, Heimatstadt von Christian Dior
  • Lisieux
  • Louviers
  • Le Mont-Saint-Michel − Gemeinde mit 41 Einwohnern auf der felsigen Insel Mont Saint-Michel im Ärmelkanal
  • Vernon

Weitere ZieleBearbeiten

 
Die felsige Insel Mont Saint-Michel in der Bucht des Ärmelkanals mit dem Kloster

HintergrundBearbeiten

 
Der Teppich von Bayeux stellt die Eroberung Englands durch die Normannen dar.

Von 911 bis 1469 bildete die Normandie eine Grafschaft bzw. ein Herzogtum, das in feudaler Abhängigkeit zum Königreich Frankreich stand. Seine Aristokratie stammte aus Skandinavien und wurde als Normannen (also „Nord-Mannen“) bezeichnet. Zuvor hatte es seit der Mitte des 9. Jahrhunderts zahlreiche Überfälle von Wikingern auf den Norden Frankreichs gegeben. Um diesen ein Ende zu bereiten, trat der westfränkische König Karl III. (der Einfältige) im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte das später Normandie genannte Gebiet an den Wikinger-Anführer Rollo ab, der sich mit seinen Mannen dauerhaft niederließ, das Christentum annahm und Graf (Jarl) und damit Lehnsmann des französischen Königs wurde. Die Mehrheitsbevölkerung war aber höchstwahrscheinlich nicht skandinavischer Herkunft, die Bezeichnung der aus dem Norden eingewanderten Führungsschicht übertrug sich aber auf das Land und seine Leute. Im Jahr 996 wurde die Grafschaft Normandie zum Herzogtum erhoben.

1066 eroberten die Normannen unter Wilhelm I. (dem Eroberer) England. In der Folgezeit übernahm eine normannische Oberschicht die Herrschaft über England, dessen Kultur, Sprache, Rechts- und Verwaltungswesen daraufhin stark von der normannischen geprägt wurde. England und die Normandie wurden anschließend in Personalunion regiert, wodurch sich eine komplizierte Situation ergab: als König von England war der jeweilige Monarch dem französischen König ebenbürtig, als Herzog der Normandie war er aber dessen Lehnsmann. Aufgrund dieses Konflikts entbrannte 1194–1204 ein Krieg zwischen dem französischen König Philipp II. August und dem englischen König Richard Löwenherz bzw. dessen Bruder und Nachfolger Johann von Plantagenet (später als Johann Ohneland bekannt). Philipp beschuldigte Johann, seine Lehnstreue gebrochen zu haben, entzog ihm die Normandie und fügte sie nach seinem Sieg der Krondomäne hinzu. Pro forma bestand das Herzogtum Normandie weiter, faktisch wurde das Gebiet aber zu einem integralen Bestandteil des Königreichs Frankreich, das immer stärker zentralistisch verwaltet wurde. 1469 ließ Ludwig XI. den Herzogsring auf einem Amboss zerschlagen, womit das Herzogtum endgültig unterging. Die Normandie war fortan nur noch eine französische Provinz. Die englische Königin beansprucht allerdings bis heute den Titel der Herzogin der Normandie.

Im Zweiten Weltkrieg war die Normandie von der Deutschen Wehrmacht besetzt, Städte wie Cherbourg oder Le Havre wurden in Folge im Rahmen des "Atlantikwalls" als Festungen ausgebaut. Am 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, landeten die Alliierten an der Küste zwischen Ste-Maire-Eglise und Ouistreham. Die Kriegshandlungen endeten für die Normandie am 22. August 1944. Am 25. August 1944 wurde Paris befreit. Infolge der Kämpfe wurden fast alle Städte in der Normandie bombardiert, die Strassenkämpfe taten ihr übriges. Städte wie Caen, Le Havre, Cherbourg, Saint-Lô und Évreux wurden fast vollständig zerstört. Die Soldatenfriedhöfe in der Region erinnern noch heute an die vielen gefallenen Soldaten. Ebenso fielen den Bombardements und Strassenkämpfen viele Zivilisten zum Opfer.

Von 1956 bis 2015 war die Normandie in die beiden Verwaltungsregionen Basse-Normandie (Départements Calvados, Manche und Orne; Hauptstadt Caen) und Haute-Normandie (Eure und Seine-Maritime; Hauptstadt Rouen) getrennt. Zum 1. Januar 2016 wurden die beiden vereinigt.

SpracheBearbeiten

Französisch; Englisch z. T. in den größeren und stark touristisch frequentierten Städten, insbesondere im Bereich der D-Day-Küste.

AnreiseBearbeiten

Mit dem FlugzeugBearbeiten

In der Region selbst gibt es keinen größeren Flughafen, die Anreise kann aber über die Pariser Flughäfen Charles de Gaulle oder Orly erfolgen, von wo aus es nicht weit zum Südosten der Normandie ist (z. B. 110 km von Orly nach Évreux; 140 km von CDG nach Rouen). Noch näher an der Normandie ist der Flughafen Beauvais-Tillé, der von Billiglinien (vor allem Ryanair) angeflogen wird; allerdings zur Zeit (Stand: März 2016) nicht aus dem deutschsprachigen Raum. Von Beauvais sind es 85 km nach Rouen.

In der Normandie selbst gibt es nur kleinere Regionalflughäfen, die nennenswertesten darunter sind Caen und Deauville. Wer in die südwestliche Normandie möchte, kann in Erwägung ziehen, den Flughafen Rennes oder Dinard/Saint-Malo im Osten der Bretagne zu nutzen (z. B. 60 km von Dinard nach Mont-Saint-Michel).

Mit der BahnBearbeiten

 
Hauptbahnhof von Rouen

Von Paris-St-Lazare fahren im Zweistundentakt ICs über Rouen, Yvetot und Breuté/Beuzeville nach Le Havre. Hinzu kommen ebenfalls zweistündig ICs, die in Rouen enden und unterwegs in Vernon, Gaillon/Aubevoye, Val-de-Reuil und Oissel halten. Siebenmal am Tag fährt ein IC von Paris-St-Lazare über Caen, Carentan und Valognes nach Cherbourg. Ebenfalls siebenmal am Tag gibt es einen IC von Paris nach Caen mit Halt in Évreux, Bernay und Lisieux. Durch den Süden der Region führt eine IC-Linie mit fünf Zugpaaren am Tag von Paris-Montparnasse nach Granville, mit Halten u. a. in L'Aigle, Flers und Vire. Von Paris nach Rouen brauchen die schnellsten Züge 1:10 Std., nach Caen 1:50 Std., nach Le Havre 2:10 Std., nach Cherbourg gut drei Stunden.

Verbindungen aus dem deutschsprachigen Raum gehen in aller Regel über Paris, wobei der Bahnhof gewechselt werden muss. Von Köln nach Rouen zum Beispiel braucht die schnellste Verbindung 5:15 Std., von Frankfurt am Main sechs Stunden.

Auf der StraßeBearbeiten

Aus dem Großraum Paris führt die Autobahn A 13 in die Normandie (an Rouen vorbei nach Caen). Die A 28 und A 29 stellen Querverbindungen aus der Picardie (Amiens) und dem äußersten Norden (Calais) bzw. dem Pays de la Loire (Le Mans) in die Normandie her. Die A 84 verbindet die Normandie mit der Bretagne (Rennes–Caen).

Wenn man aus Deutschland in die Normandie fährt, kann es sich anbieten, den Großraum Paris weiträumig zu umfahren und die Region aus östlicher Richtung auf der A 29 anzufahren; das gilt vor allem, wenn das Ziel ohnehin im Osten der Normandie liegt.

Mit dem SchiffBearbeiten

Es ist die Anreise per Autofähre aus England und Irland möglich. Fährhäfen in der Region sind (von Ost nach West):

Mit dem FahrradBearbeiten

Durch die Region führt der europäische Fernradweg EuroVelo 4, auf dem man z. B. von Calais, Brügge, Düsseldorf, dem Mittelrhein oder Frankfurt am Main anreisen kann. Vom Raum Paris aus kann man auf der Avenue verte (bzw. Radweg V33) parallel zur Seine in die oberen Normandie (Dieppe oder Rouen/Le Havre) oder auf dem V40 in die südwestliche Normandie (Alençon, Mont-Saint-Michel) fahren.

Zu FußBearbeiten

Auf dem Europäischen Fernwanderweg E9 kann man aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland entlang der Nordsee- und Ärmelkanalküste bzw. in der anderen Richtung aus Westfrankreich und von der Iberischen Halbinsel an der Atlantikküste in die Normandie wandern.

MobilitätBearbeiten

Mit dem AutoBearbeiten

In der Normandie empfiehlt sich das Auto als Reisemittel. Die Entfernungen zu den verschiedenen Orten und Sehenswürdigkeiten sind nicht sehr weit (von Le Havre nach Cherbourg knapp 200 km) und auch die größeren Städte sind über die Autobahn oder über Zubringer schnell zu erreichen. So kann man auch die überaus schöne und grüne Landschaft dieser Region genießen, nach eigenen Wünschen anhalten und die wunderbaren kleineren Orte der Normandie besichtigen.

Mit der BahnBearbeiten

Die Normandie hat ein eigenes Netz von Nahverkehrzügen (TER), dessen Knotenpunkte Caen und Rouen sind. Auf den Nebenlinien fahren nur wenige Züge am Tag.

Mit dem FahrradBearbeiten

Wichtige Radrouten von Stadt zu Stadt sind der bereits erwähnte EuroVelo 4 an der Küste entlang (Mont-Saint-Michel – Avranches – Saint-Lô – Cherbourg – D-Day-Landungsküste bei Bayeux – Ouistreham bei Caen – Le Havre – Fécamp – Dieppe), die Avenue verte (Paris – Gisors – Pays de Bray – Dieppe, möglicherweise zukünftiger EuroVelo 16 nach London), der Seine-Radweg (V33: Giverny – Vernon – Elbeuf – Rouen – Le Havre), der V40 durch den dünn besiedelten Süden der Region (Nogent-le-Rotrou – Perche – Alençon – Domfront – Saint-Hilaire-du-Harcouët – Mont-Saint-Michel), der V43 stellt eine Querverbindung vom Meer ins Landesinnere her (Ouistreham – Caen – Flers – Domfront – Mayenne).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Calvados
  • Die Landungsküste des D-Day vom 6. Juni 1944 unweit der Stadt Bayeux, mit all ihren übriggebliebenen Bauten, den geschaffenen Museen, Soldatenfriedhöfen und Denkmälern. Details siehe unter Utah Beach, Omaha Beach und Pointe du Hoc, Gold Beach und Longues sowie Juno Beach.
  • Caen: Benediktinerabtei und Klosterkirche Saint-Étienne (teilweise zum Rathaus umfunktioniert); Benediktinerinnenabtei und Klosterkirche Sainte-Trinité; gotische Kirche Saint-Pierre; Burg Wilhelms des Eroberers mit Museum zur Geschichte der Normandie
  • Teppich von Bayeux, über 68 Meter langer und 52 Zentimeter hoher, gestickter Bildteppich aus dem 11. Jahrhundert, der die Eroberung Englands durch die Normannen darstellt.
  • Lisieux: Basilika Sainte-Thérèse, Zoo „Cerza“
  • Schloss Saint-Germain-de-Livet (7 km südlich von Lisieux), auf einer Insel gelegenes romantisches Schloss aus der Übergangszeit von Mittelalter zur Renaissance (15.–16. Jahrhundert)
  • Beuvron-en-Auge: eines der schönsten Dörfer Frankreichs mit historischen Fachwerkhäusern
Eure
  • Évreux: gotische Kathedrale Notre-Dame; Abteikirche Saint-Taurin mit aufwendigen Goldschmiedearbeiten aus dem 13. Jahrhundert; Bischofssitz; Belfried/Uhrenturm; repräsentatives Rathaus aus dem 19. Jahrhundert; hübsches Stadttheater (um 1900)
  • Vernon: alte Mühle, die auf einer verfallenen Brücke über der Seine hängt
Manche
  • Le Mont-Saint-Michel: pittoreske, felsige Insel mit Kloster und mittelalterlichen Gebäuden, die je nach Gezeiten mal mit dem Festland verbunden ist und mal nicht.
  • Burg Saint-Sauveur-le-Vicomte (16 km südlich von Valognes)
Orne
  • Château de Carrouges – wehrhaftes Wasserschloss aus dem 14. bis 16. Jahrhundert
Seine-Maritime
  • Rouen: gotische Kathedrale; Abteikirche Saint-Ouen; Donjon (Wehrturm), in dem Jeanne d’Arc verhört wurde; gotischer Justizpalast; Uhrenturm; Altstadt mit Fachwerkhäusern; Jugendstil-Hauptbahnhof
  • Kreidefelsen der Côte d’Albâtre, insbesondere die bizarr geformte Falaise d’Aval bei Étretat mit einem natürlich geformten Bogen

AktivitätenBearbeiten

  • Strandurlaub
  • Besuche der zahlreichen Museen über den zweiten Weltkrieg und besonders den D-Day
  • Im Juli/August diverse Animationen in den Strandorten und in der Regions-Hauptstadt Caen ("Caen Soir d'Été")
  • Wandern und Kanufahren in der "Suisse Normande" (normannischen Schweiz)
  • Wandern entlang der Küste: Europäischer Fernwanderweg E9
  • Besuch historischer Schlösser

KücheBearbeiten

 
Traditionelle Calvadosdestillerie in Château du Breuil
 
Reifer Camembert

Die „Wahrzeichen" der normannischen Küchen sind die drei berühmten ‚C‘ - Cidre, Camembert und Calvados.

  • Cidre, aus Äpfeln hergestellter Schaumwein.
  • Calvaldos, Apfelbranntwein aus der Region Calvados
  • Kuhmilchkäse, wie Camembert, Pont-l’Évêque und Livarot
  • Normannische Sauce Helle Sauce zu Fisch
  • Tripes à la mode de Caen Traditionelles Gericht aus Kutteln (Pansen)

NachtlebenBearbeiten

SicherheitBearbeiten

KlimaBearbeiten

Das Klima wird sehr durch den Atlantik beeinflusst. Es ist immer mit Regen zu rechnen.

LiteraturBearbeiten

Ralf Nestmeyer: Normandie, Michael Müller Verlag, Erlangen 2010, ISBN 978-3-89953-563-1

WeblinksBearbeiten