Osterinsel

polynesische Insel im Pazifik
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Die Osterinsel oder Rapa Nui ist die westlichste Insel von Chile und liegt in Polynesien.

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Osterinsel
RegionRegión de Valparaíso
Einwohnerzahl7.750 (2017)
Höhe242 m
Lagekarte der Osterinsel
Lagekarte der Osterinsel
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Osterinsel

OrteBearbeiten

 
Moai bei Rano Raraku
  • 1 Hanga Roa wikipedia commons wikidata. Einziger nennenswerter Ort und die Hauptstadt der Insel, gelegen im Südwesten mit ca. 5.000 Einwohnern. Verteilt über die Insel gibt es ansonsten nur wenige einzelne Hütten, teilweise auch unbewohnt.

HintergrundBearbeiten

 
Fundamentsteine eines Paenga-Hauses

Administrativ gehört sie zur Región de Valparaíso, von der Hauptstadt ist sie jedoch mehr als 3.000 km entfernt. Seit 2007 hat sie weitgehende Autonomie gegenüber der Zentralregierung.

Trotz ihrer geringen Bevölkerung und ihrer weit abgelegenen Lage ist sie ein beliebtes Reiseziel, besonders wegen der von den Ureinwohnern vor Jahrhunderten erstellten Skulpturen, der Moai, die auf der gesamten Insel zu finden sind.

Die Osterinsel nimmt eine Sonderstellung in Chile ein, da sie schon immer von polynesischen Völkern bewohnt worden war, die sich mehr den anderen Inselstaaten und -territorien wie etwa Tahiti zugehörig fühlten.

GeschichteBearbeiten

Die heutige Poike-Halbinsel im Norden entstand vor ca. 3 Mio. Jahren durch einen Vulkanausbruch. Nach weiteren 2 Mio. Jahren erhob sich Rano Kau im Südwesten aus dem Meer und vor 250.000 Jahren verband Maunga Terevaka die beiden Vulkane zu einer Insel.

Wann die Osterinsel genau besiedelt wurde, ist nicht bekannt, die unter den Ureinwohnern mündlich überlieferte Legende um den Häuptling Hotu Matua soll sich im 14. Jahrhundert n. Chr zugetragen haben. Erschwert wird die Forschung dadurch, dass die traditionelle Schrift der Osterinsel, die Rongorongo-Schrift, bis heute nicht überzeugend entziffert wurde, sodass keinerlei schriftlichen Zeugnisse zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu früheren Vermutungen, die noch von zwei Siedlungswellen ausgingen, erscheint es heute nach umfangreichen DNA-Analysen als gesichert, dass es nur eine Siedlungswelle aus Polynesien gab, die möglicherweise bereits um 600 n. Chr., möglicherweise aber auch erst um 1200 n. Chr. stattfand. Die Besiedlung der Osterinsel von den über 4000 km entfernten polynesischen Inseln muss mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln als Sensation der menschlichen Zivilisation gelten und erfolgte vermutlich als gezielte Besiedlung und nicht etwa als zufällige Entdeckung.

Die übermenschlich großen Steinstatuen, die Moai, sind das Wahrzeichen der Osterinsel und finden sich über die gesamte Insel verteilt, die Frage, welchen Zweck sie einmal erfüllten, stellt die Wissenschaftler jedoch bis heute vor einem großen Rätsel, ebenso die Frage, warum die polynesische Kultur bis zur Ankunft der ersten westlichen Siedler zugrunde ging. Heute wird vermutet, dass eine Überbevölkerung der Insel und der damit einhergehende Ressourcenschwund (Erosion und Überweidung des Bodens, nahezu vollständige Abholzung des für den Schiffbau benötigten Waldes) zum Abfall vom traditionellen Glauben und letztlich zum Untergang der Kultur insgesamt führten.

Am 6. April 1722, einem Ostersonntag, wurde die Insel von dem Holländer Jacob Roggeveen "entdeckt". In der Kolonialzeit wurde die Insel mehrmals von Europäern besucht, aber noch nicht in Besitz genommen.

Zwischen 1850 und 1870 kam es zu einer Invasion illegaler Sklavenhändler auf die Insel, die zahlreiche der Einwohner nach Peru entführten und dort auf den Guano-Feldern arbeiten ließen. Von 1000 Sklaven starben 900 in einem Jahr. Der Bischof von Tahiti setzte sich dafür ein, dass die letzten 100 Überlebenden auf die Insel zurückgebracht wurden. Da viele jedoch mit Pocken infiziert waren, starben die meisten während der Überfahrt und die wenigen Überlebenden steckten auch noch den Rest der Inselbevölkerung an, so dass 1877 nur noch 111 Insulaner auf der Insel lebten.

1888 annektierte der chilenische Kapitän Policarpo Toro die Insel für Chile, so dass die Insel in das Land eingegliedert wurde.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren die Bewohner der Inseln chilenische Bürger zweiter Klasse, erst 1966 erlangten sie volle Staatsbürgerschaft. Zudem war die Insel lange vom Rest Chiles isoliert. Fast die gesamte Insel wurde an ausländische Unternehmen für intensive Viehzucht verpachtet. Die Inselbewohner durften sich nur in einem sehr kleinen Teil der Insel aufhalten. 1967 erreichten die Insulaner weitgehende Zugeständnisse und einen regelmäßigen Flug nach Santiago. Dennoch bliebt das Verhältnis weiterhin gespannt, da die Rapanui sich gegen die Einrichtung des Privateigentums in den 1970er Jahren wehrten; ihre Gesetze gingen dagegen von Kollektiveigentum aus.

Erst nach dem Übergang Chiles in die Demokratie 1986 wurde ernsthaft die Entwicklung der Insel vorangetrieben. 1990 wurde eine Kommission zur Entwicklung der Insel eingesetzt. Dennoch verweigerte die Regierung weiterhin der Insel die erwünschte Autonomie, was dazu führte, das diese 2006 mit einer einseitigen Unabhängigkeitserklärung drohte. 2007 lenkte Chile ein und übergab der Osterinsel sowie den Juan-Fernández-Inseln einen Spezialstatus als autonome Regionen.

SpracheBearbeiten

 
alte Schrift

Die Sprache wird von den Einheimischen Rapanui genannt. Sie ist polynesischen Ursprungs, hat sich jedoch durch die Isolation der Osterinsel im Lauf der Jahrhunderte stark verändert, so dass heute nur noch vereinzelte Wörter mit anderen polynesischen Sprachen übereinstimmen. Es fällt den Einheimischen leichter, die Tahitianische Sprache zu lernen, als Spanisch. Viele lernen Spanisch erst in der Schule richtig und betrachten es nach wie vor als Fremdsprache. Viele im Tourismus aktive Bewohner sprechen mehr oder wenig gut Englisch. Werbung für Veranstaltungen ist oft auch auf Französisch, selten auf Deutsch.

MobilitätBearbeiten

Die Anreise per Flugzeug ist nur mit der chilenischen LAN möglich. Verbindungen nach IPC (Isla de Pascua) gibt es täglich von Santiago de Chile, außerdem 1 bis 2 mal pro Woche von/nach Papeete (Tahiti) und saisonabhängig nach Lima (Peru).

Hin und wieder kommt ein Kreuzfahrtschiff vorbei, das dann aber in angemessener Entfernung auf Reede bleibt und seine Passagiere mit einzelnen Tenderbooten zu dem kleinen Hafenbecken bringt. Das kann aber auch schon bei mäßigem Seegang zum Erlebnis der besonderen Art werden.

Auf der Insel gibt es weder die für das chilenische Festland typischen Micro-Busse noch Colectivos. Stattdessen buhlen im Ort zahlreiche Taxifahrer um die Aufmerksamkeit der Touristen. Vom Flughafen bis zum Zentrum Hanga Roas sind es jedoch nur 20 Minuten Fußweg.

Um die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Insel kennenzulernen, empfiehlt es sich ein Fahrrad (13 Euro pro 24 h) oder einen Jeep (ca. 50 Euro pro 24 h) zu mieten. Im Zentrum von Hanga Roa gibt es zahlreiche Vermieter. Nähergelegene Ziele (Rano Kau, Tere Vaka, Ahu Akiwi) lassen sich aber auch gut zu Fuß erreichen. Von vielen Unternehmen werden zudem geführte Rundreisen um die Insel in Kleinbussen angeboten.

Hin- und Rückfahrt zum Strand Anakena kosten rund 15 Euro mit dem Taxi, was sehr teuer für 2x30 min Fahrt ist, aber die einzige Möglichkeit ist, motorisiert dorthin zu gelangen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Karte von Osterinsel
 
Ahu Tongariki

KultstättenBearbeiten

  • 1 Ahu Akiwi. Zwischen Hanga Roa und Tere Vaka gelegene Kultstätte mit 5 sehr gut erhaltenen Moais (stehend).
  • 2 Orongo wikipedia commons wikidata. Ehemalige und restaurierte Kultstätte auf dem Rano Kau.
  • 3 Ahu Tongariki wikipedia commons wikidata. Wie der Rano Raraku im Südosten der Insel gelegene Kultstätte mit 15 stehenden Moais.

Weiterhin gibt es zahlreiche Kultstätten und Höhlenmalereien, die besucht werden können.

NaturBearbeiten

  • 1 Rano Kau, am Südzipfel der Insel wikipedia commons wikidata. Erloschener Vulkankrater mit subtropischer Vegetation, 1600 m Durchmesser.
  • 2 Rano Raraku wikipedia commons wikidata. Etwas kleinerer Vulkankrater, jedoch von großer Bedeutung, weil dort die Moais aus dem Fels geschlagen und von dort in alle Richtungen transportiert wurden.
  • 3 Mount Tere Vaka. Weiterer erloschener Vulkan, höchste Erhebung der Insel (511 m) mit guter Aussicht.
  • 4 Poike, im äußersten Osten. Der dritte erloschene Vulkan, dort befindet sich auch der kleinste Moai (1,13 m Höhe).
  • 5 Nationalpark Rapa Nui (Parque nacional Rapa Nui) wikipedia commons wikidata. unesco
  • 6 Botanischer Garten Tau Kiani, Ara Piki.

SonstigeBearbeiten

  • 1 Südsee-Strand Anakena, an der Nordküste gelegen. Mit Kokospalmen, weißem Sand, direkt neben 2 Ahus (ehemaligen Kultstätten).
  • 1 Iglesia Santa Cruz. Kirche in der Katholizismus und Rapanui-Tradition miteinander verschmelzen (Gesänge, Skulpturen) - jeden Sonntag 10.00 Uhr findet ein Gottesdienst statt, dessen Besuch unbedingt empfehlenswert ist.

AktivitätenBearbeiten

 
Außenhang des Vulkans Rano Raraku, der Steinbruch der Moais mit vielen unvollendeten Statuen.
  • Wandern vor allem im etwas kühleren (20 Grad) Winter, auf den Spuren der vielseitigen und interessanten Kultur und Historie der Rapanui
  • Tauchen mit verschiedenen Unternehmen, auch zu Korallenriffen
  • geführte Rundfahrten um die Insel
  • Reittouren in verschiedene Gebiete
  • Baden und Sonnen am einzigen Strand Anakena (nur dort ist Baden erlaubt!)
  • Surfen in den zahlreichen Buchten (Vorsicht vor Riffen)

KücheBearbeiten

 
Friedhof Hanga Roa

Generell muss mit im Vergleich zu Südamerika sehr hohen Preisen gerechnet werden, was an der isolierten Lage der Insel liegt. Es gibt hauptsächlich Fischgerichte, die häufig auf polynesische Art zubereitet sind, aber auch die chilenischen Empanadas sind weit verbreitet. Süßkartoffeln, Avocados, Guaven und Bananen gehören zu den Pflanzen, die auf der Insel gut gedeihen und in vielen Gerichten verwendet werden. An vielen Ständen wird Po'e - eine Art Bananenrührkuchen - angeboten. Die einzige Bierbrauerei der Insel verkauft und exportiert ihre Produkte unter dem Namen "Mahina".

NachtlebenBearbeiten

"Inseltypische" Shows für Touristen, meist samstags, montags und donnerstags. Zahlreiche Bars und eine Disko im Dorfzentrum.

UnterkunftBearbeiten

In Hanga Roa gibt es zahlreiche Unterkünfte ab 25 Euro pro Person und Nacht (nach oben hin fast offene Skala). Der einzige Zeltplatz der Insel befindet sich ebenfalls dort (etwas südlich vom Zentrum an der Küste). Ansonsten ist Zelten im gesamten Bereich der Insel für Auswärtige verboten, auch bei Anakena. Um günstiger oder auf Privatgrundstücken zu zelten, sollte man die Einheimischen persönlich gut kennen.

KlimaBearbeiten

Das Klima ist ozeanisch und mild sowie relativ trocken. Nahezu das ganze Jahr über bewegen sich die Temperaturen zwischen 12 (nachts im Winter) und 30 Grad. Die Wassertemperatur bleibt durchweg über 18 Grad.

LiteraturBearbeiten

  • Heyerdahl, Thor: Aku Aku Das Geheimnis der Osterinsel, Berlin, Ullstein, 1957.
  • Heyerdahl, Thor: Die Kunst der Osterinsel. Geheimnisse und Rätsel. München-Gütersloh-Wien, Bertelsmann, 1975.
  • Machowski, Jacek: Insel der Geheimnisse. Die Entdeckung und Erforschung der Osterinsel. Leipzig VEB F.A.Brockhaus Verlag 1968
  • Helfritz, Hans: Die Osterinsel. Zürich, Fretz & Wasmuth Verlag, 1953.

WeblinksBearbeiten

  • Easter Island Foundation [1]
 
Dies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.