Nachtzüge

Reisezugwagen, der liegendes Reisen ermöglicht

Nachtzüge sind Züge, die ihre Reise hauptsächlich in den Nachtstunden absolvieren und ihren Fahrgästen ermöglichen während der Fahrt zu schlafen. Im engeren Sinne versteht man hierunter Züge mit Schlaf- oder Liegewagen, die das schlafende Reisen in einigem Komfort ermöglichen.

HintergrundBearbeiten

Zunächst im 19. Jahrhundert entwickelt, ermöglichten Nachtzüge das erste Mal Reisen über kontinentale Distanzen in angenehmen Komfort ohne die Reise unterbrechen zu müssen. Ihre Hochzeit hatten diese Züge während der „Belle Epoque“ als es in Europa genügte das (nicht unerhebliche) Geld für ein Billet aufzubringen um in aller Herren Länder gern gesehener Gast zu sein - fast gänzlich ohne Visa, Schlagbaum oder Misstrauen.

Der Erste Weltkrieg versetzte den Schlafzügen gleich zwei Schläge auf einmal: Zum einen waren die Grenzen Europas auch den Begüterten plötzlich verschlossen, denn jeder Ausländer konnte ein potentieller Spion sein. Zum anderen machte die - bald als militärisch nützlich erkannte - Fliegerei erhebliche technische Fortschritte und sollte sich in den Zwanzigern durch erhebliche staatliche Förderung in Deutschland (eine Luftwaffe hätte gegen den Versailler Vertrag verstoßen „zivile“ Flugzeuge ähnlicher Bauweise jedoch nicht) zumindest für die Reichsten der Reichen zu einer echten Konkurrenz erwachsen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg behinderte der „eiserne Vorhang“ den grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr erheblich und Zeitzeugen wissen manch Horrorgeschichte von stalinistischen Zöllnern und „zensierlichen“ Illustrierten aus dem „Nicht-sozialistischen Westen“ zu berichten. Nichtsdestotrotz blieb der Nachtzug auf vielen Routen - auch und gerade im neuen „Gastarbeiterverkehr“ - das Mittel der Wahl. Erst die Einführung der Hochgeschwindigkeit auf Schienen machte vielen alten Routen den Gar aus. So wurde der legendäre Orientexpress zunächst von lediglich Paris-Wien auf Straßburg-Wien verkürzt als die neue Strecke Paris-Straßburg an einem Nachmittag ermöglichte und schließlich ganz aus Europas Fahrplänen gestrichen. Auch die Deutsche Bahn - einst durch ihre Position in der Mitte Europas geradezu prädestiniert den halben Kontinent mit Nachtzügen zu verbinden - zog sich immer mehr aus dem Geschäft zurück und gab schließlich das Nachtzugnetz komplett auf, vorgeblich aus wirtschaftlichen Erwägungen.

Doch Rettung nahte in Form der Österreichischen Bundesbahnen, welche die gebrauchten Schlafwagen der DB aufkauften und eine neue Tranche Nachtzüge für den Verkehr bei 200 km/h bestellten. Auch in Schweden besinnt man sich wieder der Nachtzüge und will einige sogar mit staatlicher Förderung neu einführen. Die Bahnen Osteuropas, hier vor allem die russische haben die Schlafzüge nie aufgegeben und heute ist die einzige Reisemöglichkeit von Paris nach Berlin im Schlafwagen ein Zug der Russischen Bahn.

Auch in Nordamerika gibt es bis heute Schlafwagen, wenn auch vielleicht nicht mehr im Grandeur jener Tage als etliche profitable Bahngesellschaften Wirtschaftsmagnaten durch ihre „Aushängeschilder“ im Personenverkehr von einer Buchung der Gewinn bringenden Frachtzüge zu überzeugen versuchten. Amtrak, die quasistaatliche Amerikanische Eisenbahn bietet noch heute etliche Verbindungen mit Schlafwagen an. In China wiederum ist zu beobachten, dass Hochgeschwindigkeit und Schlafwagen sich nicht ausschließen müssen und man kann geradezu absurde Distanzen in einer einzigen Nacht schlafend auf Schienen zurück legen.

RoutenBearbeiten

 
Das Routennetz Europas Stand 2020

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten