Marseille-Pyramide

deutsche Kriegsgedenkstätte für den Hauptmann Hans-Joachim Marseille bei Sidi ʿAbd er-Rahman

Die Marseille-Gedenkpyramide ist eine Kriegsgedenkstätte für den deutschen Hauptmann Hans-Joachim Marseille (1919–1942) bei Sidi ʿAbd er-Rahman, etwa 25 Kilometer westlich von el-ʿAlamein an der ägyptischen Mittelmeerküste, die von deutschen und italienischen Soldaten angelegt wurde. 1989 wurde an der ursprünglichen Stelle eine neue Pyramide erbaut. Bei der Einweihung der neuen Pyramide wohnten neben Überlebenden seiner Fliegerstaffel auch Vertreter der ägyptischen Regierung bei.

Marseille-Pyramide
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HintergrundBearbeiten

Die Marseille-Pyramide markiert die Absturzstelle der vom Hptm. Hans-Joachim Marseille geflogenen Messerschmitt Bf 109 G-2/trop.

Der am 13. Dezember 1919 in Berlin-Charlottenburg geborene Hans-Joachim Marseille begann im November 1938 seinen Wehrdienst bei der deutschen Luftwaffe und wurde zum Jagdflieger ausgebildet. Anfang 1941 kam er zum in Döberitz stationierten Jagdgeschwader 27, das am 22. April desselben Jahres zur Unterstützung der bedrängten italienischen Regia Aeronautica nach Libyen verlegt wurde. Er gehörte der 3. Staffel an.

Der Pilot wurde zum erfolgreichsten deutschen Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg. Ihm wurden 158 Abschüsse feindlicher Flugzeuge zugeschrieben. So wurde er immer wieder befördert, zuletzt zum Hauptmann.

Am 30. September 1942 hatte seine Messerschmitt Bf 109 G-2/trop. einen Motorschaden. Der Absprung misslang, da sich sein Fallschirm nicht öffnete. Seine sterblichen Überreste wurden zuerst auf dem Soldatenfriedhof von Derna in Libyen bestattet und 1955 auf den Soldatenfriedhof in Tobruk, ebenfalls in Libyen, umgebettet.

Bereits zu Lebzeiten wurde er verehrt. Er wurde unter dem Namen „Stern von Afrika“ bekannt. Die Italiener zeichneten ihn mit der Tapferkeitsmedaille „Medagla d’oro“ aus. Sein Leben wurde 1957 im deutsch-spanischen Film „Der Stern von Afrika“ verfilmt.[1][2] Im Oktober 1975 erhielt die Bundeswehrkaserne in Uetersen-Appen den Namen Marseille.[3]

Deutsche Soldaten der 3. Staffel und ihre italienischen Verbündeten errichteten noch im Zweiten Weltkrieg an der Absturzstelle eine Steinpyramide mit einer deutschen Inschrift zum Gedenken an den Tod Marseilles. Die „Gemeinschaft der Jagdflieger e. V.“ beschloss 1986, diese Gedenkpyramide zu restaurieren.[4] In deutschen Tageszeitungen wie der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 10. April 1987 wurde vermeldet, dass die Bundesregierung beabsichtigte, eine Gedenkpyramide für Marseille zu errichten. Dem entgegnete der Parlamentarische Staatssekretär Peter Kurt Würzbach, dass es keinen diesbezüglichen Beschluss der Bundesregierung gibt.[4] Jedoch wurde das Projekt zum Beispiel vom FDP-Politiker und früheren Bundespräsidenten Walter Scheel (1919–2016) unterstützt.[5] Im Sommer 1989 wurde die Pyramide im Beisein von deutschen und italienischen Veteranen sowie eines Vertreters der ägyptischen Regierung und der ägyptischen Streitkräfte (Generalmajor Ibrahim Said Arwa) neu eingeweiht.

AnreiseBearbeiten

 
Anreisemöglichkeiten zur Marseille-Pyramide

Bei el-ʿAlamein im Bereich des griechischen Ehrenmals biege man bei 1 30° 50′ 7″ N 28° 57′ 34″ O nach Süden ab und biege von dieser Straße nach etwa sechs Kilometern nach Westen bei 2 30° 47′ 1″ N 28° 55′ 31″ O auf die südliche Parallelstraße zur Uferstraße ab und folge ihr etwa 25 Kilometer nach Westen. Man kann auch nach weiteren zwei Kilometern den nächsten Straßenabzweig wählen. Man achte beim Fahren auf die in Ägypten der Verkehrsberuhigung dienenden quer verlaufenden Fahrbahnerhebungen!

Alternativ kann man im Süden von Sīdī ʿAbd er-Raḥmān bei 3 30° 57′ 45″ N 28° 44′ 12″ O die Asphaltstraße nach Südsüdwesten benutzen. Nach reichlich 5 Kilometern bei 4 30° 55′ 26″ N 28° 43′ 0″ O macht die Straße einen Schlenker nach Südosten. Danach geht es etwa 4 Kilometer weiter bis zur 5 Kreuzung auf die genannte Parallelstraße (30° 53′ 37″ N 28° 42′ 3″ O).

Eine dritte Anreisemöglichkeit besteht über die Nutzung der Autobahn, die kurz vor Sīdī ʿAbd er-Raḥmān bei 6 30° 57′ 5″ N 28° 46′ 16″ O nach Süden abzweigt. Bei 7 30° 50′ 37″ N 28° 46′ 18″ O zweigt man von der Autobahn nach Westen auf die Landstraße ab.

Die 1 Marseille-Pyramide (30° 53′ 27″ N 28° 41′ 43″ O) befindet sich etwa 450 m südlich der Straße. Bei 8 30° 53′ 43″ N 28° 41′ 37″ O und 9 30° 53′ 37″ N 28° 41′ 58″ O führen Pisten in die Nordwest bzw. Nordostecke der Einfriedung der Pyramide.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Erinnerungstafel an der Pyramide

Am Ort der Absturzstelle befindet sich die Steinpyramide zum Andenken an Hptm. Hans-Joachim Marseille in einer 60 × 70 m großen Einfriedung. Die jetzige Pyramide wurde 1989 von Marseilles Kameraden an der Stelle der ersten Pyramide errichtet. Die Pyramide mit fünf Meter Basislänge besitzt auf ihrer Westseite eine Granittafel mit einer Inschrift in Deutsch, Italienisch und Arabisch:

Hier starb unbesiegt
Hptm. H.J. Marseille
Cap. Pilota – M.O.V.M.
Qui’ cadde – invitto
30.9.1942
هنا لقي الطيار الألماني المقاتل الذي لم يقهر
هانز يواخيم مرسيل
مصرعه في سبتمبر ٣٠ : ١٩٤٢ بعد أن حقق ١٥٦ انتصاراً جوياً

Übersetzung der letzten drei Zeilen:

Hier starb der deutsche Pilot und Kämpfer, der niemals besiegt wurde,
Hans-Joachim Marseille.
Sein Tod war am 30. September 1942, nachdem er 156 Luftsiege verwirklichte.

UnterkunftBearbeiten

Unterkunftsmöglichkeiten bestehen in el-ʿAlamein, Mārīnā el-ʿAlamein und Alexandria.

AusflügeBearbeiten

Der Besuch der Pyramide lässt sich mit den Friedhöfen und Ehrenmalen von el-ʿAlamein verbinden.

WeblinksBearbeiten

Einzelnachweise

  1. Neu in Deutschland: Der Stern von Afrika (Deutschland). In: DER SPIEGEL 36/1957 vom 04.09.1957, S. 49.
  2. Auch 2009 erschien noch ein eher undifferenziertes Kriegscomic in der Zeitschrift „Zack“. Siehe: Stefan Pannor: Kriegscomic „Der Stern von Afrika“: Absturz mit Nazi-Flieger, Spiegel Online vom 01.04.2009.
  3. Siehe z. B. Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode, Drucksache 17/6202 vom 15. 06. 2011, S. 6–8.
  4. 4,0 4,1 Deutscher Bundestag, 11. Wahlperiode, Drucksache 11/376 vom 29.05.1987, S. 8.
  5. Knab, Jakob: Falsche Glorie : das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin: Links, 1995, S. 169, Fußnote 178.
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