Der Bardawil-See (arabisch: ‏بحيرة البردويل, Buḥairat al-Bardawīl, oder سبخة البردويل, Sabchat el-Bardawīl) ist ein ausgedehnter, flacher Salzsee in Ägypten an der Nordküste der Sinai-Halbinsel nördlich der Kleinstadt 1 Biʾr el-ʿAbd . Zusammen mit dem im Osten des Sees gelegenen 1 Schutzgebiet ez-Zarānīq (‏محمية الزرانيق‎) , das für seine Vielfalt an Insekten[1] und Wasservögeln[2][3] bekannt ist, bilden sie ein Naturschutzgebiet und ein Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung gemäß der Ramsar-Konvention[4].

Satellitenbild des Bardawīl-Sees
El-Bardawīl-See · بحيرة البردويل
GouvernementNordsinai
Einwohnerzahl
Höhe
Lagekarte des Sinai in Ägypten
Lagekarte des Sinai in Ägypten
Bardawīl-See

Der Bardawīl-See ist von Westen nach Osten etwa 80 Kilometer lang, an seiner breitesten Stelle 22 Kilometer breit und gehört neben dem Großen Bittersee und dem Kleinen Bittersee zu den drei großen Seen der Sinai-Halbinsel.

Der See, insbesondere sein Ostteil, ist ein geeigneter Ort für die Beobachtung von Wasser- und Zugvögeln. Im Herbst und im zeitigen Frühjahr ist der See ähnlich wie der im Norden des Nildeltas gelegene Burullus-See Durchzugsgebiet zahlreicher fremder Vogelarten.

Hintergrund

Bearbeiten
 
Lageplan des Bardawīl-Sees

Geografie und Name

Bearbeiten

Der Bardawīl-See im äußersten Norden des Sinai ist ein bis zu 3 m tiefer Salzsee bzw. Salzsumpf (‏سبخة, Sabcha) und nur durch eine größenordnungsmäßig 500 m breite sandige Nehrung vom Mittelmeer getrennt. Er umfasst eine Fläche von 700 km². Aufgrund des Eintrags von Sand in den See verlandet er, und seine Größe nimmt immer weiter ab.[5] An zwei Stellen gibt es Kanäle zum Mittelmeer, und zwar bei 2 31° 8′ 25″ N 32° 55′ 38″ O und bei 3 31° 12′ 39″ N 33° 16′ 6″ O.

Der Bardawīl-See geht auf den Namen Balduin/Baldwin zurück, den mehrere Kreuzfahrerkönige trugen und der eine durch Umbildung und Lautwechsel entstandene arabische Variante dieses Namens darstellt.

Neben dem Bardawīl-See gibt es an der Nordküste des Sinai noch zwei deutlich kleinere Salzseen, den 4 Sabchat el-Mallāḥa (Fouad-See) im Westen und den Sabchat esch-Scheich Zawayed im Osten.[5]

Geschichte

Bearbeiten

Einige ausländische Forscher des Exodus glauben, dass dieser See in der Nähe der vierten Station des Exodus liegt, Pi-haHiroth genannt, und verorten diese Station westlich der Westspitze des Bardawīl-Sees.[6]

Der See ist identisch mit dem Sirbonischen See, zwischen Damietta und Raʾs Kasarūn gelegen, den u. a. Herodot in seinen Historien von ca. 430 v. Chr. genannt hat.[7] Die Sümpfe des Sirbonischen Sees werden als tückischer, unsicherer Boden beschrieben.

Während des Sinai- und Palästina-Feldzugs im Ersten Weltkrieg versuchten alliierte Soldaten der Canterbury Mounted Rifles, einen Kanal vom Meer zum westlichen Ende des Bardawīl-Sees anzulegen, um den See und sein Umland zu überfluten und Truppen abzuwehren. Der Angriff bei Romani durch die Mittelmächte war letztlich auch ohne Überflutung erfolglos, und sie mussten sich nach schweren Verlusten zurückziehen.[8]

Bedeutendster Wirtschaftszweig ist der Fischfang. Alljährlich werden 3.000 Tonnen Fisch gefangen, 2021 sogar 4.000 Tonnen.[9] Auch werden Zugvögel gejagt.

Im Süden des Sees verläuft die Küstenfernverkehrsstraße 40, die u. a. Port Said mit el-ʿArīsch verbindet.

Es gibt offensichtlich keine Reiseveranstalter im In- und Ausland, die Touren zur Vogelbeobachtung anbieten. Eine Sondergenehmigung der Egyptian Environmental Affairs Agency ist notwendig.

Mobilität

Bearbeiten

Das teilweise schlammige Ufer kann nur zu Fuß ergründet werden. Für die Besichtigungen seeseits benötigt man ein Boot.

Sehenswürdigkeiten

Bearbeiten
 
Vogelattrappen zum Anlocken und Jagen von Zugvögeln im Bardawīl-See

Die Lagune ist flach, durch eine schmale Nehrung vom Mittelmeer getrennt und erreicht eine Tiefe von etwa 3 Metern. Oft gelangt das Meereswasser dorthin und erhöht somit den Salzgehalt in der Lagune.[10] Die Lagune ist ein geschütztes Feuchtgebiet nach der Ramsar-Konvention mit einer großen Population von Zwergseeschwalben.[11][4] 30 % der erfassten Arten an der Mittelmeerküste des Sinai lassen im Bereich des Bardawīl-Sees antreffen.[10]

Es gibt sechs Lebensräume, darunter offenes Wasser, feuchte Salzwiesen, salzhaltige Sandflächen und Hügel (Nebkas), stabilisierte Sanddünen, Zwischendünensenken und mobile Sanddünen.[10]

Abgesehen von der Vogelvielfalt ist das Gebiet auch für Meeresschildkröten und Große Tümmler bekannt,[12] wobei die hohe Sterblichkeitsrate von Meeresschildkröten besorgniserregend ist.

Im Roten Datenbuch der IUCN von 2006 sind sechs bedrohte Pflanzenarten aufgeführt, die in der Nähe des Sees vorkommen, darunter Astragalus camelorum, Bellevalia salah-eidii, Biorum oliveri, Iris mariae, Lobularia arabica und Salsola tetragona. Die ersten vier sind endemische Arten.[10][13]

Aktivitäten

Bearbeiten

Die Hauptaktivität ist die Vogelbeobachtung hauptsächlich in ez-Zarānīq insbesondere im Herbst, wenn zahlreiche Zugvögel auf ihrem Zug hier rasten.

In ez-Zarānīq gibt es nur zehn Vogelarten, die vor Ort brüten. Darunter befinden sich der Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus), die Zwergseeschwalbe (Sterna/Sternula albifrons) und der Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta).

Weitere 260 Vogelarten gelangen auf ihrem herbstlichen Zug hierher, darunter der Alpenstrandläufer (Calidris alpina), die Dünnschnabelmöwe (Larus genei), die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo), der Graureiher (Ardea cinerea), die Knäkente (Anas querquedula), der Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), der Purpurreiher (Ardea purpurea), der Rallenreiher (Ardeola ralloides), der Rosapelikan (Pelecanus onocrotalus), die Rotflügel-Brachschwalbe (Glareola pratincola), der Sanderling (Calidris alba), der Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula), der Silberreiher (Casmerodius albus), die Uferschnepfe (Limosa limosa), die Weißbart-Seeschwalbe (Chlidonias hybridus), die Weißflügelseeschwalbe (Chlidonias leucopterus), der Wüstenregenpfeifer (Charadrius leschenaultii), die Zwergdommel (Ixobrychus minutus) und der Zwergstrandläufer (Calidris minuta).[2]

Weitere hier antreffbare Spezies sind die Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni), die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas), die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea), die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) sowie der (seltene) Fennek (Vulpes zerda) und die Wüstenagamme (Trapelus savignii).[2]

Restaurants gibt es in Port Said und el-ʿArīsch.

Unterkunft

Bearbeiten

Unterkünfte gibt es in Port Said und el-ʿArīsch.

Ausflüge

Bearbeiten

Literatur

Bearbeiten
  • Hoath, Richard: The birds of Egypt and the Middle East. Cairo: The American University in Cairo Press, 2021, ISBN 978-1-64903-124-2.

Einzelnachweise

Bearbeiten
  1. El-Moursy, A. ; El-Hawagry, M. ; Abdeldayem, M. ; Fadl, H.: Insect Diversity in Zaranik Protectorate, Northern Sinai, Egypt. In: Egyptian Journal of Natural History, ISSN 1110-6867, Bd. 3 (2001), S. 62–80, abgerufen am 17. Dezember 2023, PDF.
  2. 2,0 2,1 2,2 Important Bird Areas factsheet: Zaranik Protected Area. In: BirdLife International, abgerufen am 17. Dezember 2023.
  3. Zaranik Protected Area in Egypt. In: Tour Egypt, abgerufen am 17. Dezember 2023.
  4. 4,0 4,1 Lake Bardawil, Ramsar.org
  5. 5,0 5,1 El-Bana, Magdy I.: Floristic composition of a threatened Mediterranean sabkhat of Sinai. In: Lieth, Helmut ; Barth, Hans-Jörg ; Böer, Benno ; Khan, M. Ajmal ; Kust, German S. (Hrsg.): Sabkha Ecosystems : Volume II: West and Central Asia. Dordrecht: Springer Netherlands, 2006, ISBN 978-1-4020-5071-8 (gebunden), ISBN 978-1-4020-5072-5 (E-Buch), S. 155–162; doi:10.1007/978-1-4020-5072-5.
  6. Hobbs, Joseph J.: Mount Sinai. Austin, Tex.: University of Texas Press, 1995, ISBN 978-0-292-73091-5, S. 56.
  7. Herodot, Historien, Buch 2, §6. Siehe z. B.: Herodotus ; Schöll, Adolf [Übers]: Herodot’s von Halikarnaß Geschichte; Bd. 2. Stuttgart: Metzler, 1828, S. 188–189.
  8. Kinloch, Terry: Devils on horses : in the words of the Anzacs in the Middle East 1916 - 19. Auckland: Exisle Publ., 2007, ISBN 978-0-908988-94-5.
  9. الثروة السمكية: حجم إنتاج الأسماك ببحيرة البردويل بلغ 4000 طن. فيديو. In: Sada el-Balad, Mittwoch, 29. Dezember 2021. Archiviert vom Original. Übersetzung des Titels: Fischreichtum: Das Volumen der Fischproduktion im Bardawilsee erreichte 4.000 Tonnen. Video.
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 Zahran, Mahmoud Abdel Kawy ; Willis, A. J.: The vegetation of Egypt. Dordrecht: Springer, 2009 (2. Auflage), Plant and vegetation ; 2, ISBN 978-1-4020-8755-4 (gebunden), ISBN 978-1-4020-8756-1 (E-Buch), S. 213–249, insbesondere S. 218, 228; doi:10.1007/978-1-4020-8756-1.
  11. Lake Bardawil - Marine (2016) Important Bird Areas Factsheet. Birdlife International. Archiviert vom Original am Freitag, 11. November 2016.
  12. Nada, M.A. ; Boura, L. ; Grimanis, K. ; Schofield, G. ; El-Alwany, A. M. ; Noor, N. ; Ommeran, M. M. ; Rabia B.: Egypt’s Bardawil Lake : safe haven or deadly trap for sea turtles in the Mediterranean?. MEDASSET, Suez Canal University, Nature Conservation Egypt, Dienstag, 1. Januar 2013. Archiviert vom Original.
  13. IUCN: Conservation of Bardawil Wetland and sea turtles in Egypt. 2014.
 
Dies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.