Darom Adom - rote Blüte im Süden

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Als Darom Adom, Roter Süden wird das Phänomen bezeichnet, wenn im Süden von Israel, vornehmlich im nordwestlichen Negev, die roten Blüten wie Teppiche die Landschaft überziehen. Das Darom Adom Festival oder Scarlet South Festival wird von Ende Januar bis Ende Februar gefeiert, wenn die roten Kronenanemonen in Blüte stehen.

Kronenanemonen im Shoqeda Park
Klatschmohn bei Ashkelon

HintergrundBearbeiten

Jeweils gegen Ende des israelischen Winters blühen im nördlichen Negev die Kronenanemonen, die an gewissen Naturparks die Landschaft wie Teppiche überziehen. Zu den "Roten Top 3" der Flora in Israel zählen die Ende Januar bis Ende Februar blühende Kronenanemone (Anemone coronaria), gefolgt wird sie von den ebenso roten Ranunkeln ("Red Buttercup", Ranunculus asiaticus) und dem roten Mohn (Papaver umbonatum, etc.), dazu kommen noch die weniger häufig auftretenden roten Wildtulpen (Tulipa agenensis) und das rote Adonisröschen (Adonis microcarpa und palaestina).

Die Blumen waren aufgrund der Begeisterung fürs Blumenpflücken teils bedroht; in den letzten Jahrzehnten wurde in Israel grossen Wert auf die Erziehung von Kindern, Schülerinnen und Schülern gelegt, dass Blumen nicht mehr gepflückt werden sollten, sondern die Schönheit der Blumen am besten in der Natur zu geniessen ist. Gebiete mit grossem Vorkommen wurden unter Schutz gestellt, im Rahmen des seit 2007 durchgeführten Darom Festivals werden jeweils von Ende Januar bis Anfang März die Schutzgebiete ausgeschildert und von Familien und Blumenfreunden besucht.
Der Schulung der Bevölkerung ist es zu verdanken, dass man in Israel nur noch selten Wiesenblumensträusse in den Häusern sieht - dafür kommt es an den Wochenenden im Gebiet der Kronenanemonen - Naturparks aufgrund der Besucherzahlen zu Verkehrsstaus...

FloraBearbeiten

 
Anemone coronaria
 
Ranunculus asiaticus
 
Klatschmohn

Die prominenteste Vertreterin der "Roten Gilde" ist die Kronenanemone, Anemone coronaria. Hier im Süden Israels trifft man praktisch nur die leuchtend rote Varietät an, in der Megiddo-Ebene und in Galiläa bis in den Golan hinein trifft man auch auf die anderen Farbtöne, pink, weiss und blauviolett - aber im Süden blüht die Kronenanemone rot. Die Kronenanemone, hebr. כלנית מצויה (Kalanit), verfügt über meist 5 - 8 rote Blütenblätter, kelchnahe haben die Blütenblätter eine weisse Zone, die Staubbeutel sind blau oder purpur. Von einer Blattrosette am Boden erhebt sich ein bis 20 - 30 cm hoher Stengel mit einer einzigen Blüte. Die Hauptblütezeit liegt Ende Januar - Mitte März.

Im Jahresablauf blüht als nächste der "Roten Gilde" die asiatische Ranunkel, Ranunculus asiaticus (Asiatischer Hahnenfuss). Die roten Blüten der im hebräischen נורית אסיה haben fünf bis sieben Blütenblätter, die Pflanze kann auf einem verzweigten Stengel verschiedene Blüten resp. Knospen tragen und erreicht eine Höhe von 30 cm. Die Hauptblütezeit liegt zwischen März und Mai, also etwas später, als die der Anemonen.

Noch etwas später blüht der rote Klatschmohn, Papaver umbonatum / Papaver subpiriforme. Der im hebräischen פרג אגסני oder Corn poppy (oder genauer Semitic Poppy) genannte rote Mohn mit schwarzen Zonen im Innern der Blütenblätter schliesse mit einer Hauptblütezeit von März bis Mai den Reigen der "Roten Gilde" ab.

KlimaBearbeiten

In der südlichen Küstenebene und im nördlichen Negev, wo die meisten rotblühenden Pflanzen zu finden sind, herrscht Mittelmeerklima, welches in Steppen- oder gemässigtes Wüstenklima übergeht; da die Regenfälle hier hauptsächlich in den Monaten des Winterhalbjahrs fallen, haben die Blumen im Frühjahr ihre Hauptblütezeit.

MobilitätBearbeiten

Die meisten Naturschutzgebiete liegen ausserhalb von Siedlungen und sind mit dem öffentlichen Verkehr kaum zu erreichen; der Andrang von Besuchern, die mit dem Privatwagen anreisen, ist allerdings an den Wochenenden des Darom Adom Festivals gross, so dass sich an den Zufahrten teils Verkehrsstaus bilden.

Gebühren/PermitsBearbeiten

Die Parkgebiete sind grösstenteils kostenlos zu besuchen, eine Eintrittsentgelt ist für den Besuch des Eshkol National Park zu entrichten.

Wichtigste NaturparksBearbeiten

Shoqeda Forest (Shokeda Forest)Bearbeiten

  • 1 Shoqeda Forest

AnreiseBearbeiten

Von der Strasse 25 zwischen Be'er Sheva und der Grenze zum Gaza-Streifen resp. in Richtung Ashkelon nimmt man nördlich von Netivot an der Zimrat Junction die Stichstrasse 2422 nach 1 Shoqeda; kurz vor der Einfahrt in den Ort geht rechts ein asphaltiertes Strässchen ab (in der Blütezeit mit einem Plakat mit der Darstellung roter Blüten gekennzeichnet) und man gelangt auf einen Parkplatz, von dem man die Felder mit den Kronenanemonen zu Fuss erreichen kann. Die Ausfahrt ist in nördlicher Richtung der 232 signalisiert.

Im Shoqeda Forest wachsen die Kronenanemonen in einem lichten Wäldchen meist in dichter Fülle. In der Hauptblütezeit, während dem Darom Adom Festival, finden sich am Parkplatz Imbissstände, Verkauf von Früchten und Gemüse und Toi Toi-Toilettenhäuschen. Allerdings empfiehlt sich ein Besuch an einem Wochentag, da am Schabbat der Ansturm der Israelis relativ gross ist.

Re'im Well - Horbat Mador - Be'eri ForestBearbeiten

 
Brunnenanlage
 
Be'eri Forest
 
ehem. Schwefel-Werke von Be'eri

AnreiseBearbeiten

Von der Strasse 232, die in ost-westlicher Richtung südlich der Grenze des Gazastreifens entlangführt, erreicht man den Ausgangpunkt, den 2 Re'im Parking Space zwischen den Zufahrten zu den Ortschaften Be'eri und Re'im.

Bereits in den Wiesen um den lichten Baumbestand in unmittelbarer Nähe des Re'im Parking findet man Teppiche der rotblühenden Kronenanemonen. Vom KKL, dem Jewish National Fund wurden im Parkgebiet Radwege und eine Scenic Route entlang von Zeugen des Wasserbaus angelegt, es finden sich Sitzbänke und ein Sanitärgebäude mit Toiletten in Parkplatznähe.
Vom Parkplatz als Ausgangspunkt wurden zahlreiche Radwege angelegt, über die eine Infotafel mit einem Kartenausschnitt informiert. Die Trails sind ähnlich den Wanderwegen mit entsprechenden Farbmarkierungen gekennzeichnet.
Eine Scenic Route, die   blau-weiss markierte 27 km lange Water Installation Route wird mit dem Privatfahrzeug befahren. An verschiedenen Stellen kann man halten und Zeugen der Nutzung des Wassers des Nahal Gerar besuchen.
In der Nähe des Parkplatzes liegt der Re'im Well, der Re'im Brunnen. Von einem Fussweg kann man (die absturzgefährdete) Klippe hinunter zum Lauf des Nahal Gerar (oder Wadi Grar) schauen.
Das Strässchen 3 überquert den Wasserlauf und verläuft dann nördlich des Wasserlaufs und der Klippe. Da der Untergrund aus Loess besteht, können bei Regenfällen in diesem das Wasser nur schwer absorbierenden Untergrund Sturzfluten auftreten. Am Nordufer des Nahal Gerar sieht man noch 4 Reste eines betonierten Beckens, welches der Flut von 1991 zum Opfer fiel und vom hochgehenden Flüsschen weggerissen wurde.
Beim 2 Water Wheel Well ist eine aus osmanischer Zeit stammende Brunnenanlage zu sehen. Eine mit Tierkraft über eine Zahnradübersetzung betriebene Eimerkette schöpfte das Wasser aus dem Grund des Brunnes hoch, an Wasserbecken konnten die Tiere der Herden getränkt werden. In der britischen Mandatszeit wurde der Betrieb auf motorisierte Pumpen umgestellt, heute befindet sich bei den Ruinen ein Wanderrastplatz.
Bei der nächsten Abzweigung kann man ein kurzes Stück zu zwei 3 Zisternen aus byzantinischer Zeit weitergehen. Die Zisternen wurden mit Regenwasser gefüllt, die runden Bauten waren innen verputzt, das Wasser wurde durch eine Öffnung an der Kuppel entnommen.
Die 5 Route biegt vor der Abzweigung zu den Zisternen nach Norden ab, 6 verlässt dann den Wald resp. 7 8 verläuft am Waldrand entlang, bis man nach links auf eine 9 Strasse mit   rot-weisser Markierung einbiegt (Zur Abkürzung könnte man dieser auch nach rechts rep. Osten bis Be'eri folgen).
Nach einer Strecke auf der rot-weissen Route biegt man nach rechts auf eine 10 Piste, welche an 4 britischen Munitionsbunkern aus der Mandatszeit vorbeiführt.
Die 11 Route setzt sich bogenförmig nach einer Strassenquerung fort und erreicht eine asphaltierte Strasse. Zu linken können die 5 Ruinen eines Schwefel-Abbaubetriebs (aktiver Abbau 1933-1946) besucht werden, die   blau-weiss markierte 12 Route setzt sich in östlicher Richtung fort. Rechterhand liegen die ehemaligen6 Schwefelabbau - Gruben.
Die 13 Route setzt sich als Piste in östlicher Richtung fort und erreicht eine Asphaltstrasse, welche nördlich von Be'eri in die 232 endet. Hier befindet sich auch ein Parkeingang und der Beginn der Radroute Be'ery single Track ist bezeichnet.

Old Be'eriBearbeiten

 
Ruinen von Old Be'eri

In der Nähe, etwas nördlich, liegen die Ruinen von Old Be'eri. Im Rahmen einer konzertierten Aktion der Haganah und des Jewish National Fund wurde hier in der Nacht nach Yom Kippur 1946 eine von elf Siedlungen im Negev gegründet. Der Kibbutz wurde zunächst aufgrund der arabischen Bezeichnung von "Ödland" als Nakhbir bezeichnet und erhielt später den Namen Be'eri. Im Unabhängigkeitskrieg 1948 wurde der Kibbutz von der ägyptischen Armee angegriffen und die Einwohner mussten monatelang in Bunkern ausharren. Aus dieser Zeit sind der runde Wassertank, das rechteckige von Einschusslöchern gezeichnete "Security Building" der Verteidiger und Unterstände erhalten. Später wurde der moderne Kibbutz auf einer Anhöhe 3 km weiter südöstlich gegründet.

AnreiseBearbeiten

Von der Strasse 232 nimmt man die Strasse nach Be'eri, kurz vor dem Eingang zum Kibbutz biegt eine rot-weiss markierte Strasse ab. An der nächsten Verzweigung gelangt man auf der schwarz-weiss markierten Piste zum 14 Old Be'eri Parking Lot.

Vom ehemaligen Kibbutz 7 Old Be'eri sind noch der Wasserturm und das Verteidigungsgebäude erhalten, vom Parkplatz aus (mit Wasserstelle) beginnen Radwege in den Be'eri Forest und die Be'eri Badlands.
Auf der blau-weiss markierten Piste gelangt man zum 8 Be'eri Makhtesh resp. dem Be'eri Ödland (Be'eri Badlands Nature Reserve). Einem Erosionskrater (Makhtesh) gleich, hat sich hier das Wasser des Nahal Sahaf bis 15 m tief in die Löss-Schichten eingegraben und eine skurrile mondkrater-ähnliche Landschaft entstehen lassen. Eine altsteinzeitliche Besiedelung des Tals ist durch Feuersteinfunde nachgewiesen. Im Frühjahr blühen hier neben der Kronenanemone und der asiatischen Ranunkel auch die Karmel - Bienenorchidee.
Der blau-weiss markierte Weg führt quer durch den Kratergrund, dessen nördliche Hälfte als Schutzgebiet ausgeschieden ist. Er endet an einem Strässchen, welches in der Nähe von Alumim wieder auf die Strasse 232 führt.

weitere Bestände von KronenanemonenBearbeiten

Saad JunctionBearbeiten

9 Vom Kreisel der Strasse 25 an der Zufahrt nach Sa'ad kann man nach Westen abbiegen, dann unmittelbar der Strasse entlang auf einer Piste nach Südosten fahren und gelangt zu einem Parkplatz im Wäldchen von Sa'ad, wo vielee Kronenanemonen zu sehen sind.

Auch in den Eukalyptuspflanzungen entlang der Strasse nach 10 Alumim resp. zum Tel Alumim sind die roten Anemonen verbreitet.

Kibbutz OrHaNerBearbeiten

11 von der Strasse 232 nimmt man die Zufahrtsstrasse zum Kibbutz Or Haner, nach der Brücke vor dem Zugang in den Kibbutz biegt man in eine Schotterpiste ein, nachdem man den Friedhof des Orts passiert hat, erstreckt sich eine weite Fläche mit Kronenanemonen.

Kibbutz KissufimBearbeiten

12 in der Nähe des Kibbutz Kissufim (in der Nähe zur Grenze zu Gaza-Streifen), genaue Lokalisation nicht bekannt

Dvir ForestBearbeiten

 
Dvir Forest

13 Von der Strasse 6 resp. 40 kurz vor Be'er Sheva nimmt man die 3255 in Richtung Dvir, die Anemonenbestände im Osten des Orts sind über eine Schotterstrasse zu einem Parkplatz zu erreichen.

Pura - RuhamaBearbeiten

14 Ebenfalls ausgedehnte Anemonenbestände blühen in der Pura Nature Reserve, welche von der Autobahn 6, die hier gemeinsam mit der 40 geführt wird, von der in Nord-Süd-Richtung führenden Spur erreicht werdenn kann, in Gegenrichtung in Fahrtrichtung Nord kann man aufgrund der getrennten Fahrspuren nicht wenden oder ausfahren, sondern muss bei der nächsten Ausfahrt auf der 40 in nördlicher Richtung eine Gelegenheit zum Wenden suchen (oder fährt besser direkt von Norden aus an).

Von der Pura Nature Reserve ist eine Scenic Route, eine meist geschotterte Strasse, die mit dem eigenen Fahrzeug befahren wird, vorbei an den Badlands bis nach 15 Ruhama bezeichnet. Auch in der Umgebung von Ruhama blühen viele Kronenanemonen.

AktivitätenBearbeiten

 
Radtouren in der Zeit der Anemonenblüte
  • viele Besucher kommen zum Picknicken in die Anemonenfelder, aufgrund der Jahreszeit lohnen sich Wanderungen und vor allem auch Radtouren, in der Region sind zahlreiche Radtouren ausgeschildert.

EinkaufenBearbeiten

KücheBearbeiten

Nur während der Wochen des Darom Adom Festival werden an den beliebtesten Naturparks Verpflegungsstände betrieben, an denen man neben Heissgetränken und Snacks auch frische Früchte bekommt.

UnterkunftBearbeiten

Zu den Unterkunftsmöglichkeiten informieren die Ortsartikel der Region, in den Naturparks selber gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten, dafür gibt es in den Kibbutz in der Umgebung oft Angebote von Fremdenzimmern resp. B&B, die in der Blütesaison allerdings am Wochenende früh ausgebucht sind.

SicherheitBearbeiten

Trotz der relativen Nähe zum Gazastreifen sind Raketenangriffe auf die kaum besiedelten Naturparkgebiete in der Vergangenheit kein Thema gewesen, in den Kibbutzim in Grenznähe gibt es aufgrund der extrem kurzen Vorwarnzeiten vor Raketenangriffen vielerorts Unterstände. Solange die Situation in Gaza ruhig ist, kann die Gegend problemlos besucht werden (und Tausende von Israelis tun dies in den Frühlingswochenenden auch...)

AusflügeBearbeiten

  • ein Besuch des Darom Adom kann von der Küstenebene resp. dem Gebiet um Tel Aviv aus gut mit einem Besuch von Be'er Sheva oder einer der Nabatäerstädte (anbieten würde sich Shivta) kombiniert werden.

LiteraturBearbeiten

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