Wandern in Schottland

Wandern und insbesondere das Bergwandern ist in Schottland ein Volkssport. Es bietet eine Möglichkeit dem Touristenstrom zu entgehen, Einheimische zu treffen und grosse Teile des Landes zu erkunden, die mit den Strassen nicht erreichbar oder von ihnen aus gar nicht sichtbar sind. Letztlich gibt es von vielen Bergen aus grossartige Panoramen in eine weitgehend unberührte urtuemliche Landschft, die den Elementen ausgesetzt ist (die oft genug Teil des Panoramas sind). Es gibt (fast) überall eine Infrastruktur für Wanderer, von, mehr oder weniger, markierten Wegen, Literatur mit Routenempfehlungen und nicht zuletzt gut ausgestattete Outdoorläden und auch Quartiere, die auf die Bedürfnisse von Wanderern eingestellt sind (z.B. Trockenraeume). Man kann davon ausgehen überall freundlich empfangen zu werden (oder sogar Tipps für die Wanderung zu bekommen).

SicherheitBearbeiten

Bei aller Abgeschiedenheit ist das Wandern in Schottland sehr sicher. Die grösste Gefahr sind, neben der Abgeschiedenheit in vielen Regionen, das Wetter. Es kann praktisch jederzeit dichter Nebel aufziehen, Schnee (auch im Sommer) und Sturm aufkommen, oft mit wenig Vorwarnung. Folgendes ist zu bedenken:

  • Immer Karte und Kompass dabei haben. Gute Karten gibt es vom staatlichen Vermessungsdienst Ordnance Survey im Maßstab 1:25.000 oder 1:50.000 vor Ort fast überall zu kaufen. Man sollte immer sicher sein, auch bei dichtem Nebel den Rückweg finden zu können. GPS ist schön und funktioniert auch meist - wenn die Batterie voll ist.
  • Festes Schuhwerk ist ein Muss. Viele Wege, so vorhanden, sind sehr uneben und Turnschuhe bergen eine hohe Verletzungsgefahr. Gerade in entlegenen Regionen sind oft nur noch Trampelpfade vorhanden, gelegentlich geht es auch komplett querfeldein. Dabei muss man immer damit rechnen, auch mal um eine Felsnase klettern zu müssen, einen Bach queren zu müssen oder in ein boghole, ein kaum sichtbares Sumpfloch, zu tappen.
  • Immer zusätzliche warme Kleidung dabei haben.
  • Immer Regenschutz dabei haben. Gore-Tex oder ähnliches ist zu empfehlen, aber nicht zwingend. Man sollte nie kalt UND nass sein.
  • Etwas Nahrungsreserven (Müsliriegel o. ä.) und eine gefüllte Wasserflasche sollte man stets mit sich führen. Wasser kann man unterwegs immer mal auffüllen.
  • Es ist sinnvoll, ein Handy und die Nummer der Bergwacht dabeizuhaben. Allerdings besteht in weiten Teilen der Highlands kein Empfang (auf den Bergen eher als in den Tälern). Für den Fall, dass man die Bergwacht anrufen muss, ist es wichtig, die eigene Position zu kennen. Obige Vorsichtsmaßnahmen gelten für weite Teile Schottlands, sind allerdings auf den unten ausgewiesenen Fernwanderwegen vom Früh- bis Spätsommer nicht erforderlich.

RechtlichesBearbeiten

Der Land Reform Act von 2003 regelt die Zugangsrechte zu fremdem Land. Dabei hat jedermann weitgehende Zutrittssrechte zum Land Dritter, solange er sich gebührlich verhält und keinen Schaden anrichtet. Die Zutrittsrechte gelten rund um die Uhr für Wald, Brachland, Weideland, am Rand von Feldern, auch in Gewässern. Sie gelten nicht für Wohnhäuser und deren Gärten (das kann bei einem Herrensitz in den Highlands schon mal großzügig ausgelegt werden), auf kommerziell genutztem Gelände (also auch Bauernhöfen), Sportplätzen während Veranstaltungen. Prinzipiell ist Wandern in Schottland überall erlaubt (auch z.B. auf Weideland), solange kein Interessenkonflikt mit dem primären Nutzer des Landes entsteht. Grob bedeutet das, das man sich vernünftig verhalten soll: am Rand um Getreidefelder gehen, nicht mit Hund über Weiden mit jungen Schafen oder Kühen, und Schilder beachten, die auf lokale Besonderheiten hinweisen (z.B. auf Wegen bleiben, wo Vögel nisten).

Auch Wildzelten ist erlaubt, sollte jedoch ausser Sichtweise von Häusern und Strassen und nicht auf Weideland geschehen. Genaueres erfährt man aus dem Outdoor Access Code (Links Recreational User->A-Z Guide).

Zu beachten ist, dass das meiste Brachland im Besitz von Jagdgütern ist, und man daher auf den etablierten Wegen bleiben soll, während gejagt wird. Jagdsaison ist grob von Juli bis Oktober. Genauere Informationen, wann wo gejagt wird und was die etablierten Wege sind, werden normalerweise an den Einstiegspunkten der Wanderungen (Parkplätze o. ä.) angebracht, oder sind direkt vom zuständigen Jagdgut zu erfahren. Telefonnummern und weitere Informationen gibt es hier.

RoutenvorschlägeBearbeiten

Ausgeschilderte FernwanderwegeBearbeiten

Im Gegensatz zu anderen Regionen gibt es in Schottland eher weniger ausgeschilderte Fernwanderwege. Die vorhandenen sind jedoch vor allem als Einstieg sehr zu empfehlen.

Liste (von Süden nach Norden)
  • Southern Upland Way ([1]): Portpatrick nach Cockburnspath. 340 km. Von der irischen See zur Nordsee durch Hügelland. Sehr einsam. Teil des europäischen Fernwanderweges E2 [2].
  • West Highland Way ([3]) ([4]): Von Milngavie (bei Glasgow) nach Fort William. 152 km. Durch die Westlichen Highlands, von den Vororten Glasgows am Loch Lomond entlang, übers Rannoch Moor und am Ben Nevis vorbei. Spektakulärster der Fernwanderwege, sehr beliebt.
  • Speyside Way ([5]): Buckie nach Aviemore. 135 km. Speyside gilt als "schottische Schweiz". Viele Wiskydistillen entlang des Weges.
  • Great Glen Way ([6]): Fort William nach Inverness. 117 km. Die zweite Hälfte geht entlang des Loch Ness. Der Great Glen Way soll insgesamt weniger abwechslungsreich als beispielsweise der West-Highland-Way sein, da er meist parallel zur Straße durch Wald führt, was manche als langweilig befinden. Das Foto von der offiziellen Webseite ist auch nur eine Luftaufnahme, und kein Aussichtspunkt von der Wanderstrecke.

Alle diese Wege sind gut ausgeschildert und die Wanderwege sind von guter Qualität.

Andere RoutenBearbeiten

Es gibt viele traditionelle Wanderwege in Schottland, die nicht oder nur teilweise beschildert sind, und bei denen auch die Qualität des Weges sehr unterschiedlich sind. Stellenweise kann kein Pfad sichtbar sein, die Orientierung muss dann mit Kompass und Karte erfolgen. Teils handelt es sich um traditionelle Viehtreiberrouten (Drove Roads - z.B. Lairig Ghru), teils handelt es sich um Routen neueren Datums (z.B. Einstiege um abgelegene Berge zu erreichen, die sich aber auch zu relativ flachen Wanderungen kombinieren lassen - The Great Wilderness ist ein Beispiel). Beschreibungen der Wege lassen sich in einschlägigen Wanderbüchern finden. Als Kartenmaterial ist die Landranger 1:50000 Serie des Britischen Ordnance Survey zu empfehlen. Nur in unübersichtlichem Gebirge sind die 1:25000 Karten von Nöten. Es ist zu bedenken dass auf den Ordnance Survey Karten nur solche Wanderwege eingetragen sind, die unterhalten werden und/oder auf Luftbildern deutlich als Wanderwege zu erkennen sind. Hier sollte ein Wanderführer bei der Routenplanung zu Hilfe genommen werden. Die Landranger Karten können online (bei geeigneter Auflösung) angesehen werden.

Als Wanderrouten zu empfehlen sind (als Auswahl)

  • Glen Tilt (von Blair Athol nach Braemar)
  • Lairig Ghru (von Braemar nach Aviemore)
  • Rannoch Moor (Einstiege in Bridge of Orchy, Kinloch Rannoch) man kann zum Loch Ossian (Corrour Station) und weiter durch das Glen Nevis nach Fort William oder die Lairig Leacach nach Spean Bridge wandern
  • Glen Affric (von Cannich nach Shiel Bridge)
  • The Great Wilderness (Fisherfield): das Gebiet zwischen Loch Maree und Little Loch Broom ist das grösste Strassenlose Gebiet in Grossbritannien. Einstiege in Kinlochewe, Poolewe und Dundonnell.

BergwandernBearbeiten

Die schottischen Berge werden angesichts ihrer geringen Höhe (der höchste Ben Nevis ist 1.314 m hoch) häufig unterschätzt. Zu beachten ist jedoch, dass der Aufstieg meist auf Meereshöhe beginnt, und das es kaum durchgehend gute Wanderwege gibt. Es gibt in Schottland 282 Berge über 3000 Fuss (914 m) Höhe. Diese sind als Munros bekannt. Das Besteigen aller Munros ist ein schottischer Volkssport. Bisher haben etwa 5000 Leute alle Munros bestiegen. Ein Reiz der Munros ist, das (fast) alle (bis auf die berüchtigte inaccessible pinacle auf Skye) ohne Bergsteigerausrüstung zu besteigen sind. Für viele sollte man allerdings schwindelfrei sein. Aber auch abgesehen von den Munros gibt es in Schottland viele Berge und Bergketten, deren Erwanderung sich lohnt. Besonders beliebt sind

  • Torridon: Die Berge der Ben Eighe, Liathach und Ben Alligin Ketten.
  • Cullins: Im Süden Skyes. Gilt als Mekka der schottischen Alpinisten.
  • Glencoe: Die Berge an der Nordseite sind durch einen schwindelerregenden Grat verbunden, auf der Südseite gibt es versteckte Täler und den die Gegend dominierenden Bidean nam Bian.
  • Cairngorms: Zwischen Deeside und Speyside. Hochplateau mit tief eingeschnittenen Tälern.
  • Assynt: Nördlich von Ullapool. Einzelne Berge in teilweise bizzarren Formen. Trotzdem relativ problemlos zu erwandern.

Der Charakter der Berge ändert sich je nach Gegend. Grob dominieren im Südwesten (um Crianlarich) runde Berge mit breiten Flanken, im Südosten (Cairngorms und Grampians) Hochplateaus mit tiefen Tälern, während die Berge des Nordwestens häufig deutlich alpinen Charakter haben.

 Dies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.