Adwa

Siedlung in Äthiopien
Adwa · ዓድዋ · አድዋ
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Adwa (auch Adua, Aduwa, Adoua, Adowa, tigrinisch: ዓድዋ, amharisch: አድዋ) ist eine Stadt in der Region Tigray im Norden Äthiopiens, östlich von Aksum, nahe der Grenze zu Eritrea. In der Vergangenheit war sie eine wichtige Station auf dem Weg von den Rotmeerhäfen in Eritrea nach Gondar mit einem eigenen großen Markt. Hauptsächlich ist die Stadt jedoch dafür bekannt, dass in ihrer Nähe 1896 die entscheidende und erfolgreiche Schlacht von Adwa der Äthiopier gegen italienische Truppen ausgetragen wurde, womit Äthiopien neben Liberia in Westafrika als einzige afrikanische Nation eine europäische Kolonisation vereiteln konnte.

In Adwa und in den Nachbardörfern gibt es mehrere bemerkenswerte Kirchen.

HintergrundBearbeiten

GeschichteBearbeiten

Nach der Auffassung des britischen Wissenschaftlers Richard Pankhurst (1927–2017) leitet sich der Ortsname Adwa von Adi Awa (oder Wa), dem „Dorf der Awa“, ab. Die Awa sind ein Stamm, der in der zweisprachigen Inschrift Monumentum Adulitanum eines unbekannten Autors erwähnt wurde und einst bei Adulis siedelte.[1] Der portugiesische Missionar Francisco Álvares berichtete in seinem erstmals 1540 erschienenen Bericht über das Reich des Priesters Johannes von Indien, dass die portugiesische diplomatische Vertretung am 2. August 1520 auf dem Weg nach Gondar Adwa, das er „Haus des St. Michael“ nannte, passierte.[2]

Im 16. und 17. Jahrhundert Jahrhundert unterhielten Jesuiten im benachbarten Dorf Fremona, dem heutigen Dorf Endiet Nebersh, ihre Basis, von der aus sie Äthiopien zum Katholizismus missionieren wollten.[3] Wie der Reisende James Bruce (1730–1794), der sich 1769 einen reichlichen Monat lang in Adwa aufhielt, feststellte, befand sich Adwa in einer „Ebene, die jedermann auf seinem Weg von Gondar zum Roten Meer passieren muss“.[4] Die Person, die diese Ebene kontrollierte, konnte profitable Mautgebühren auf die durchfahrenden Karawanen erheben.[1] Während seines Aufenthalts in Adwa soll Bruce auch die Ruinen von Fremona gesehen haben.

Um 1700 wurde Adwa erstmals die Residenz des Gouverneurs der Provinz Tigray und überschattete Debarwa im heutigen Zentraleritrea als wichtigste Stadt in Nordäthiopien mit dem traditionellen Sitz des Bahr-Negus, des „Königs der See“. Der Markt der Stadt Adwa war wichtig genug, um einen Negadras, einen Marktwächter, einsetzen zu müssen. Die früheste bekannte Person, die dieses Amt innehatte, war der griechische Einwanderer Janni von Adwa, ein Bruder von Petros, dem Kammerherrn beim Kaiser Joas I. In Adwa lebte bis ins 19. Jahrhundert eine kleine Kolonie griechischer Kaufleute.[5] In den 1890er-Jahren beschrieb der britische Händler Augustus Blandy Wylde (gest. 1890) den samstags stattfindenden Adwa-Markt als einen großen Markt mit Rindern aller Art, die zum Kauf angeboten wurden.[6]

Aufgrund seiner Lage an dieser wichtigen Handelsroute zum Roten Meer wird Adwa in den Erinnerungen zahlreicher Europäer des 19. Jahrhunderts erwähnt, die Äthiopien besuchten. Dazu gehörten Arnaud und Antoine d'Abbadie (19. Jahrhundert), Henry Salt (1780–1827), Samuel Gobat (1799–1879), Mansfield Parkyns (1823–1894) und Théophile Lefebvre (1811–1860). Nach der Niederlage und dem Tod des Gouverneus von Tigray, Sabagadis Woldu (1780–1831), in der Schlacht von Debre Abbay am 14. Februar 1831 flohen die Bewohner Adwas aus Sicherheitsgründen aus der Stadt. Die Stadt wurde im Januar 1860 kurz von Kaiser Tewodros II. besetzt, der aus dem Süden hierher eilte als Reaktion auf den Aufstand von Agew Neguse, der dann später aus der Stadt geflohen war.[5] Der italienische Künstler Giacomo Naretti (1831–1899) durchquerte Adwa im März 1879, nachdem Adwa von einer Typhusepidemie heimgesucht worden war. Adwa war durch diese Epidemie auf einen Schatten seiner selbst reduziert worden und hatte nur noch ungefähr 200 Einwohner.[5]

 
Detail aus dem äthiopischen Gemälde „Schlacht von Adwa“

Aufgrund seiner geografischen Bedeutung erlangte Adwa auch als Schauplatz der Endschlacht des Ersten Italo-Äthiopischen Krieges große Bedeutung, in der der äthiopische Kaiser Menelik II. am 1. und 2. März 1896 für die Verteidigung der Unabhängigkeit Äthiopiens gegen Italien kämpfte. Menelik II. führte die äthiopische Armee zu einem entscheidenden Sieg gegen die Italiener, die für ein unabhängiges Äthiopien sorgte, bis die Italiener 1935 erneut einfielen (Abessinienkrieg). Ein großer Baum am Rande der Stadt wurde den Besuchern in den folgenden Jahren als der Ort gezeigt, an dem Kaiser Menelik II. über etwa 800 eritreische Askaris (Söldner) urteilte, die in der Schlacht gefangen genommen worden waren.[5] Die eritreischen Bataillone waren Teil der italienischen Kolonialarmee. Aber das Kriegsgericht, das über sie urteilte, erkannte dies nicht an und verurteilte die Gefangenen, denen ihre rechte Hand und ihren linken Fuß amputiert wurden.[7] Am Feiertag am 2. März wird alljährlich an die Schlacht von Adwa erinnert.

1905 war Adwa die drittgrößte Stadt in Tigray. Die von den Italienern zwischen 1902 und 1904 gebaute Telegraphenlinie Asmara-Addis Abeba führte durch Adwa und hatte dort ein Büro. Der Telefondienst erreichte Adwa im Jahr 1935, aber im Jahr 1954 waren keine Telefonnummern für die Stadt verzeichnet.[5]

Am 6. Oktober 1935 marschierten italienische Truppen in Adwa ein, nachdem nach einer zwei Tage dauernden Bombardierung der Militärkommandant Ras Seyoum Mengesha (1887–1960) mit seinen Truppen in einen hastigen Rückzug getrieben wurde und er große Vorräte an Nahrungsmitteln und anderen Gütern zurücklassen musste. Unmittelbar nach ihrer Ankunft in der Stadt ließ die italienische Gavinana-Division zu Ehren der 1896 gefallenen italienischen Soldaten ein heute nicht mehr existentes Steindenkmal in Form eines Obelisken errichten und am 13. Oktober 1935 in Anwesenheit von General Emilio De Bono (1866–1944) einweihen.[8] Die italienische Herrschaft über Äthiopien endete 1941, als britisch-indische Truppen mithilfe äthiopischer Soldaten Äthiopien zurückeroberten. Am 12. Juni 1941 errichtete die neu eingetroffene 34. Indian State Force Brigade in Adwa ein Postamt ein.[5] Während des Woyane-Aufstands in der Privinz Tigray gegen den Kaiser Haile Selassie zogen sich am 22. September 1943 6.000 Soldaten der aufständischen Truppen nach Adwa zurück. Der Aufstand wurde im Oktober 1941 mithilfe von britischen Bombardements zurückgeschlagen.

Bis 1958 war Adwa einer von 27 Orten in Äthiopien, die als First Class Township eingestuft wurden. In den 1960er Jahren war die Stadt nicht nur ein Bildungszentrum, sondern auch ein frühes Zentrum nationalistischer Auseinandersetzungen. Dies zeigte sich in der Tatsache, dass alle drei Führer der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) in den 22 Jahren von 1975 bis 1997 – Aregawi Berhe, Sebhat Nega und Meles Zenawi – aus Adwa kamen und die staatliche Schule der Stadt besuchten.[5] Adwa war ein häufiges Ziel von Angriffen der TPLF während des äthiopischen Bürgerkriegs: 1978 griff die TPLF Adwa an und 1979 versuchte sie erfolglos, die Bank auszurauben. Die Stadt ging im März 1988 endgültig in die Kontrolle der TPLF über. Adwa und ihre Umgebung sind der Geburtsbezirk vieler der wichtigsten Führer der TPLF, die heute Äthiopien führen, und der Bezirk wurde vom ehemaligen Premierminister Meles Zenawi (1955–2012) selbst im Parlament vertreten.

Hauptwirtschaftszweig der Stadt ist die Landwirtschaft. Wichtiger Arbeitgeber ist auch die Textilfabrik im Westen der Stadt. Nach der Bevölkerungszählung von 2007 lebten damals 40.500 Einwohner in der Stadt. Mit dem Zuzug zahlreicher eritreischer Migranten nach dem Ende des Eritrea-Äthiopien-Kriegs 2000 ist die Einwohnerzahl auf etwa 60.000 gestiegen.

AnreiseBearbeiten

 
Stadtplan von Adwa

Auf der StraßeBearbeiten

Adwa liegt 22 km östlich von Aksum, der nächstgelegenen Stadt, und ist auf der asphaltierten Nationalstraße A2 erreichbar. Weiter östlich von Adwa befindet sich Adigrat.

Der Grenzübergang nach Eritrea ist geschlossen.

Mit dem FlugzeugBearbeiten

Der 1 Flughafen Axum      liegt zwischen Adwa und Axum. Es gibt tägliche Flüge von und nach Addis Abeba, Gondar und Lalibela.

Mit dem BusBearbeiten

Es gibt einen täglichen Überlandbus von Mek’ele über Abiy Addi, weitere nach Addis Abeba und Shire.

Minibuse fahren nach Aksum, Yeha (13 Birr) und Adigrat bis 16 Uhr.

MobilitätBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

KirchenBearbeiten

  • 1 Gebri'el-Kirche. Erbaut von Dejazmach Wolde Gebriel.
  • 2 Maryam-Kirche. Erbaut von Ras Anda Haymanot.
  • 3 St.-Michael-Kirche.
  • 4 Medhane-Alem-Kirche. Erbaut von Ras Sabagadis.
  • 5 Selassie-Kirche. Errichtet von Kaiser Yohannis IV.
  • 6 Don-Bosco-Kirche. Katholische Kirche.
  • 7 Kloster Abba Garima (östlich der Stadt).   . In der Nähe von Adwa befindet sich das im 6. Jahrhundert von Abba Garima, einem der Neun Heiligen, gegründe Kloster, das für seine Evangelien aus dem 10. Jahrhundert bekannt ist. Man folge der Straße nach Süden in Richtung Abiy Addi 6 km lang biegt dann nach links ab und erreicht das Kloster nach weiteren 3 km. Frauen dürfen weder die Kirche noch die Schatzkammer betreten. Preis: 120 Birr.

MoscheenBearbeiten

  • 8 Zentralmoschee Adwa.

DenkmälerBearbeiten

 
Neues Denkmal für die in der Schlacht von Adwa gefallenen Soldaten
  • Denkmal in Kreuzform für die in der Schlacht von Adwa gefallenen Soldaten, die nicht vergessen werden sollen. Das Denkmal wurde Ende des 20., Anfang des 21. Jahrhunderts errichtet und ist nicht identisch mit dem 1935 errichteten Denkmal. Neben diesem Denkmal errinnert nur noch der Feiertag am 2. März und das Caffe della Battaglia an die Schlacht.
  • In einem Blogbeitrag berichtete Valeria Isacchini, dass es noch wenige Spuren der Schlacht von 1896 im Osten der Stadt gibt.[9]

AktivitätenBearbeiten

KaufenBearbeiten

KücheBearbeiten

An der Hauptstraße gibt es mehrere Restaurants und Cafés.

UnterkunftBearbeiten

Es gibt mehrere einfache Hotels in Adwa, die sich meist an der Hauptstraße A2 befinden.

  • 1 Abraham Hotel. Tel.: +251 (0)91 032 4570.
  • 2 Soloda Hotel.
  • 3 Yohannes 4th Hotel.

GesundheitBearbeiten

  • 1 Krankenhaus Adwa.

Praktische HinweiseBearbeiten

  • 2 Tankstelle (am östlichen Ortsausgang).

AusflügeBearbeiten

  • Aksum im Westen. Aksum war die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Axum und ist berühmt für seine Stelenfelder und Kathedralen.
  • Yeha im Osten mit den Überresten eines Tempels und eines Palasts aus dem Reich von Di’amat aus voraxumitischer Zeit. Nach Yeha fahren Minibusse, brauchen 50 Minuten und kosten 13 Birr. Der letzte Rückfahrt nach Adwa ist gegen 16 Uhr.
  • Adigrat im Osten. Einstige Residenzstadt an der Grenze zu Eritrea.
  • Hawzien im Süden in 50 km Entfernung. Die Stadt ist Ausgangspunkt für die Erkundung vieler Felsenkirchen in ihrer Nähe.
  • Mek’ele, die Hauptstadt der Provinz Tigray, etwa 100 km weiter südlich.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 Pankhurst, Richard: History of Ethiopian towns ; [1]: from the Middle Ages to the early nineteenth century. Wiesbaden: Franz Steiner, 1982, (Aethiopistische Forschungen ; 8), ISBN 978-3-515-03204-9, S. 192–194.
  2. Álvares, Francisco: Kurtze und warhafftige Beschreibunge aller gründlichen erfarnus von den Landen des mechtigen Königs in Ethiopien, den wir Priester Johann nennen : Auch von seinem geistlichen und weltlichen Regiment …. Eißleben: Heller, 1567, S. 153–156 (Kapitel 36).Álvares, Francisco ; Alderley, Stanley of [Übers.] ; Beckingham, C[harles] F[raser] ; Huntingford, G[eorge] W[ynn] B[rereton] [Hrsg.]: The Prester John of the Indies : a true relation of the lands of the Prester John being the narrative of the Portuguese Embassy to Ethiopia in 1520 ; vol. 1. Cambridge: Hakluyt Soc. ; Univ. Pr., 1961, S. 142–144.
  3. Lindahl, Bernhard: Local history of Ethiopia : Emamret - Enzoraja. Uppsala: The Nordic Africa Institute, 2005, S. 12. Internetpublikation.
  4. Bredin, Miles: The pale Abyssinian : a life of James Bruce, African explorer and adventurer. London: HarperCollins, 2000, ISBN 978-0-00-255671-2, S. 86 f.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 5,5 5,6 Lindahl, Bernhard: Local history of Ethiopia : Adi - Aero. Uppsala: The Nordic Africa Institute, 2005, S. 42–68. Internetpublikation.
  6. Wylde, Augustus B.: Modern Abyssinia. London: Methuen, 1901, S. 494.
  7. McLachlan, Sean: Armies of the Adowa Campaign 1896 : the Italian disaster in Ethiopia. Oxford: Osprey Pub Co, 2011, ISBN 978-1-84908-457-4, S. 23.
  8. Monumento ai Caduti di Adua del 1896 ad Adua, Archivio Luce.
  9. Isacchini, Valeria: Appunti sui paesaggi di Adua, Blogbeitrag auf www.ilcornodafrica.it vom 25. März 2009.
 Dies ist ein brauchbarer Artikel. Es gibt noch einige Stellen, an denen Informationen fehlen. Wenn du etwas zu ergänzen hast, sei mutig und ergänze sie.