Wādī Ṣūra

Archäologische Stätte an der südwestlichen Ecke des Abu-Ras-Plateaus, dem nordwestlichen Teil des Gilf-Kebir-Plateaus in der ägyptischen Westlichen Wüste. Hier befinden sich nebeneinander die Schwimmer- und die Bogenschützenhöhle.

Wadi Sura (auch Wadi Sora, Bildtal, Picture Valley, arabisch: ‏وادي صورة‎, Wādī Ṣūra, „Bildtal“) ist eine archäologische Stätte an der südwestlichen Ecke des Abu-Ras-Plateaus, dem nordwestlichen Teil des Gilf-Kebir-Plateaus in der ägyptischen Westlichen Wüste. Im Tal befinden sich an mehreren Stellen prähistorische Felsgravuren und Felsmalereien. Die berühmteste Stätte ist die sog. „Höhle der Schwimmer“. Sie wurde auch im Film „Der englische Patient“ verewigt wurde, auch wenn sich der Film künstlerisch weit von der Realität abhebt.

Wādī Ṣūra ·وادي صورة
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HintergrundBearbeiten

Wādī Ṣūra ist eigentlich kein echtes Felsental. Die archäologische Stätte befindet sich an der südwestlichen Ecke des Abu-Ras-Plateaus. Die beiden wichtigsten Höhlen, der Schwimmer-Höhle und die Höhle der Bogenschützen, befinden sich am Fuße und an der Nordwestseite eines vorstehenden Felsens.

Erstmals wurde in diesem Gebiet 1931 eine Felsgravur, ein Petroglyph, vom britischen Vermesser Patrick Andrew Clayton (1896–1962). Nach der Darstellung einer Giraffe wurde der Felsen Giraffenfelsen benannt.

Den Giraffenfelsen, aber auch neue Felsgravuren und Werkzeuge konnte der ungarische Wüstenforscher László Almásy (1895–1951) 1932 und im Frühjahr 1933 finden. Im Frühjahr 1933 gelang Almásy der bedeutende Fund von Felsmalereien in ʿAin Dua im Westen des Gebel el-ʿUweināt. Diese Entdeckung führte dazu, dass er im Oktober 1933 eine Expedition durchführte, und zwar zusammen mit den deutschen Ethnologen Leo Frobenius (1873–1938) und Hans Rhotert (1900–1991) sowie der Zeichnerin, Frau Pauli. Hauptaufgabe dieser Expedition war die Erfassung der Feslbilder von ʿAin Dua und Karkūr Ṭalḥ im Gebel el-ʿUweināt. Die Rückreise erfolgte über das Gilf-Kebir-Plateau, um die dortigen Felsbilder aufzunehmen. Hierbei gelang Almásy die Entdeckung von vier weiteren Höhlen mit prähistorischen Felsmalereien in einer Entfernung von ca. etwa 3,5 Kilometern von den früheren Fundstellen. Almásy berichtete:

„Von hier [Gebel el-ʿUweināt] führte ich die Expedition über Kufra zur nordwestlichen Ecke des Gilf Kebir-Gebirges zu jenem Felstal, in dem P.A. Clayton 1931 und ich selbst 1932 und [im Frühjahr] 1933 geritzte Bilder und Steinwerkzeuge fanden. Auch hier ging ich, während meine Begleiter [Leo Frobenius, Hans Rhotert, Frau Pauli] kopierten, mit Sabr [dem sudanesischen Fahrer Sabir Mohammed] entlang der Felskante der Gilf-Hochebene nach Osten auf Entdeckung aus. Jetzt erkannte ich schon von weitem die Schichtung der Felsen, wo der weiche Sandstein auf hartem Gestein ruht. Vier Kilometer entfernt von unserem Lager fuhr ich in ein solches Wadi hinein und erklärte Sabr schon von vornherein, daß wir hier wieder Höhlen mit Malereien finden werden. Unsere neue Entdeckung übertraf aber alle Erwartungen.“ (S. 218)[1]

In den letzten Jahren weitere Darstellungen von Giancarlo Negro, Yves Gauthier u.a. entdeckt.

Die etwa 10.000 Jahre alten Felszeichnungen belegen sehr deutlich, dass hier zu jener Zeit ein Klima herrschte, dass sich vom heutigen deutlich unterschied.

AnreiseBearbeiten

Der Besuch der Höhlen ist üblicherweise Teil einer Wüstenexkursion in den Gilf-Kebir-Nationalpark. Für die Reise durch die Wüste benötigt man ein geländegängiges Allradfahrzeug.

Man erreicht das Wadi entweder direkt vom Gebel el-ʿUweināt oder durch Umrunden des Gilf-Kebir-Plateaus an seiner Südseite.

Für eine Fahrt in den Nationalpark benötigt man eine Erlaubnis des ägyptischen Militärs. Während der Reise wird man von bewaffneten Polizisten und einem Militäroffizier begleitet. Für Reisen in das Gilf Kebir gibt es in Mūṭ ein eigenes Safari-Department, das auch die nötigen Begleitpolizisten und deren Fahrzeuge stellt. Die Pflicht-Dienstleistung ist natürlich kostenpflichtig.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Lage der Höhlen
 
Landschaft vor den Höhlen
Darstellungen in der Schwimmer-Höhle
 
Drei Schwimmer im oberen Teil der Höhle
 
Bogenschützen in der Nachbarhöhle

Die beiden wichtigsten Höhlen bzw. Felsenüberhänge befinden sich unmittelbar am Fuße eines Sandsteinmassives an dessen Nordwestseite. Beide enthalten Felsmalereien, die hauptsächlich in roter Farbe, aber auch in gelbgrüner Farbe auf die Wand angebracht wurden. Die Zukunft dieser etwa 10.000 Jahre alten Malereien ist ungewiss, der der Sandsteingrund von den Wänden abzuplatzen droht.

Die linke Höhle ist die „Höhle der Schwimmer“, Rhotert nannte sie Höhle C. Sie ist etwa vier Meter breit, drei Meter tief und zwei Meter hoch. Sie trägt verschiedene Darstellungen in mehreren Gruppen. Recht weit oben erkennt man liegende Personen, die ihre Arme ausstrecken, als würden sie schwimmen. Ob es sich wirklich um Schwimmer handelt, bleibt wohl ein ewiges Rätsel. Diese sog. Schwimmer gaben der Höhle aber ihren heutigen Namen. Weiterhin sind schlanke Menschen mit beinahe dreieckigem Oberkörper dargestellt.

Etwa 15 Meter weiter rechts befindet sich eine weitere, kleinere Höhle, die Höhle der Bogenschützen (engl. Cave of the Archers) oder Jägerhöhle; Rhotert nannte sie Höhle D. Hier findet man Darstellungen von Jägern mit Pfeil und Bogen, Tieren, Vieh und Frauen.

800 Meter nördlich der Schwimmerhöhle befindet sich die Höhle F mit Menschen- und Giraffendarstellungen.

KücheBearbeiten

Außerhalb der Höhle kann man rasten. Speisen und Getränke müssen mitgeführt werden. Abfälle müssen mitgenommen werden und dürfen nicht liegen gelassen werden.

UnterkunftBearbeiten

Für die Übernachtung in einiger Entfernung müssen Zelte mitgeführt werden.

AusflügeBearbeiten

Elf Kilometer nordwestlich befindet sich die erst 2002 entdeckte Foggini-Mistikawi-Höhle oder Höhle der Bestien.

LiteraturBearbeiten

  • Almásy, Ladislaus E.: Schwimmer in der Wüste : auf der Suche nach der Oase Zarzura. Innsbruck: Haymon, 1997 (3. Auflage), ISBN 978-3852182483, S. 132 f., 218 f.
  • Rhotert, Hans: Libysche Felsbilder : Ergebnisse der 11. und 12. deutschen innerafrikanischen Forschungs-Expedition (Diafe) 1933/1934/1935. Darmstadt: Wittich, 1952.
  • Gauthier, Yves ; Negro, Giancarlo: Nouveaux documents rupestres des environs du Wâdi Sura (Gilf Kebir, s.o. de l’Égypte). In: Bulletin / Société d’Etudes et de Recherches Préhistoriques <Les Eyzies-de-Tayac>, ISSN 1152-2631, Bd. 48 (1998), S. 62–79.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Diese Textpassage findet sich nicht in Almásy 1939 erschienenen Buch „Unbekannte Sahara“, sondern nur in der 1934 erschienenen ungarischen Ausgabe „Az ismeretlen Szahara“. Die 1997 erschienene Ausgabe „Schwimmer in der Wüste“ enthält im Anhang die Übersetzung dieses fehlenden Kapitels.
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